Hörbuchverlage im Home Office! Teil 1

Hallo zusammen,

die Leipziger Buchmesse fiel aus und viele Unternehmen organisieren sich aus dem Home Office. Da interessierte mich natürlich: Wie organisieren sich die Hörbuchverlage? Welche Titel des kommenden Herbstprogrammes sollten eigentlich in Leipzig vorgestellt werden? Und gibt es auch Titel, die aufgrund der aktuellen Situation verschoben werden müssen?

Kurzerhand schrieb ich meine Ansprechpartnerinnen bei der Hörverlag, JUMBO – Neue Medien, dem Argon Verlag und Der Audio Verlag an und erzählte ihnen von meiner Interview Idee. Alle waren sofort dabei und haben sich Zeit genommen, mir ein paar Fragen zu beantworten.
Den Anfang machen Ana Kohler (Lektörin) und Verena Reiser (Presse- und Öffentlichketsarbeit) bei der Hörverlag.

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Über den Verlag

Der Hörverlag wurde 1993 gegründet und veröffentlichte 1995 sein erstes Verlagsprogramm.
Jährlich werden bei der Hörverlag ca. 100 Titel verlegt. Ein besonderes Augenmerk legt man beim Hörverlag auf die Produktion von Klassikern. Hörbücher wie beispielsweise die von Rufus Beck gelesenen Harry Potter Bände, sorgten dafür, dass der Hörverlag einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte.

Seit ein paar Jahren gehört der Hörverlag zur Verlagsgruppe RandomHouse und sitzt gemeinsam mit den anderen Verlagen in der Neumarkterstraße in München.

(Quelle: Der Hörverlag).

Der Hörverlag:

Inzwischen wurden die Social Media Kanäle aller Verlage der Verlagsgruppe Penguin RandomHouse zusammengelegt. Mehr Infos findet ihr auf dieser Facebook Seite oder bei Instagram.

Hier findet ihr mein erstes Interview mit der früheren Referentin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Interview ging es vor allem um die Arbeit bei einem Hörbuchverlag. Wie wird aus einem Buch ein Hörbuch? Und welche Titel können überhaupt als Hörbuch umgesetzt werden?

 

Das Interview

Ein Mikrofon, das seitlich in Richtung der Person zeigt, die das Bild betrachtet. Darunter steht Gefragt.
Foto: Emma Zecka

Liebe Verena, liebe Ana, aktuell arbeitet das Team des Hörverlags im Home Office. Wie organisiert ihr euch von dort aus?

Ana: Die Technik macht’s möglich! Nachdem alle schrittweise mit Laptops und weiterem technischen Zubehör ausgestattet waren, waren die Arbeitsabläufe zwar anders, aber im Großen und Ganzen hat unsere Abteilung sehr gut funktioniert. Und bis dahin galt: Not macht erfinderisch!

Verena: Mit Hilfe von sehr vielen Tools! Neben unserem kleinen Hörverlags-Presseteam müssen wir uns ja sowohl innerhalb des Verlags als auch innerhalb des Random House-Kosmos auf dem Laufenden halten. Normalerweise stimmen wir uns im Presseteam einmal wöchentlich ab, die Frequenz haben wir jetzt verdreifacht. Eine Skype-Telko am Montag, eine am Mittwoch und eine am Freitag. Damit das aber nicht zu einem Zeitfresser wird, versuchen wir die Termine so kurz wie möglich zu halten. Damit uns hier nichts durchrutsch verwenden wir ein virtuelles Taskboard, auf einem Sharepoint tauschen wir Dateien aus.

Im Social Media-Team verwenden wir zum Glück schon lange ein digitales Tool auf das alle ganz einfach über den Browser zugreifen können. Ab und zu telefonieren wir uns zusammen, um die aktuellsten Themen zu besprechen und unsere Feeds zu planen. Schließlich haben wir ja neben unseren Hörverlags-Kanälen auch noch unseren Podcast-Account Hörverlag Serials, den wir möglichst abwechslungsreich bespielen wollen.

Welche Aufgaben lassen sich im Home Office gut umsetzen? Was würdest Du lieber vom Büro aus regeln?

Ana: Der Vorteil vom Homeoffice ist ganz klar, dass man konzentrierter arbeitet. Man wird nicht gestört und kann sich in Ruhe größere Projekte vornehmen, in die man sich erstmal einarbeiten muss. Der normale Büroalltag mit seinen Meetings, Mittagessen und Arbeitsweg lässt einem zeitweise keine Luft für kreative Ideen. Unbezahlbar im Büro sind natürlich das gemeinsame Arbeiten mit den lieben Kollegen, die ich jetzt gerade sehr vermisse.

Verena: Ich finde, dass unsere Zusammenarbeit aus dem Home Office richtig gut klappt und es unserer Kreativität keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, manchmal denke ich, dass die Isolation einen sogar noch etwas kreativer macht. Vermutlich liegt es daran, weil man so viel Zeit mit seinem eigenen Hirnstübchen verbringt. Neben der Kreativarbeit beantworten wir ja auch viele E-Mail- und Telefonanfragen. Das ist von zuhause aus gar kein Problem.
Trotzdem freue ich mich schon auf die Zeit, wenn wir wieder alle zusammen im Verlag sind, denn bei uns ist es immer sehr lebhaft und die Kuchenversorgung ist auch besser.

Da die Leipziger Buchmesse abgesagt werden musste, seid ihr gar nicht dazu gekommen, euer Herbstprogramm vorzustellen. Auf welche Titel dürfen wir uns freuen?

Verena: Ein Titel auf den ich mich persönlich sehr freue ist unser Sagenatlas. Anhand von regionalen Sagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kann man im Geiste einmal vom Ostseestrand bis zu den Alpen reisen – oder umgekehrt! Außerdem hält unser Programm mal wieder viele spannende Überraschungen bereit.

Ana: Ich freue mich besonders auf einen meiner Titel. Er heißt Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete von Sharon Cameron. Es ist die wahre Geschichte von Stefania Podgorska, die während des Zweiten Weltkriegs als sehr junge Frau 13 Juden und Jüdinnen unter Einsatz ihres eigenen Lebens auf dem Dachboden ihres Hauses versteckt hielt. Ein großartig geschriebener, warmherziger Roman über eine unwahrscheinliche Heldin.

Gibt es einen Titel, der es leider nicht zum Spitzentitel geschafft hat, aber trotzdem mehr Aufmerksamkeit verdient hat?

Verena: Generell Klassiker! Unsere Branche ist oft sehr auf Novitäten fixiert, dabei steckt oft so viel Aktualität in diesen „alten“ Geschichten. Ein Beispiel ist Evelyn Waughs Journalistensatire Scoop von 1938. Jan Weiler hat den Roman für uns großartig eingelesen und neben dem unglaublich lustigen und feinen britischen Humor blitzt immer wieder Waughs Kritik am Journalismus hindurch. Das Verrückte: Obwohl sich die Möglichkeiten durch das Internet so rapide verändert haben, ist vieles unverändert geblieben. Wir müssen uns immer noch – oder mehr denn je – vor Fake News in Acht nehmen und Fakten auf ihre Richtigkeit hin überprüfen. Also: absolute Hörempfehlung!

Ana: Immer viel Aufmerksamkeit verdienen meiner Meinung nach Hörspiele, denn sie sind kleine geschliffene Diamanten, in die sehr viel Liebe und Arbeit geflossen sind. Im Herbst kommt bei uns eine alte Hörspielfassung von „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert, ein eindrückliches Plädoyer gegen Krieg und ein Panorama der deutschen Nachkriegszeit.

Und zum Schluss interessiert mich: Welcher Titel liegt Euch besonders am Herzen?

Ana: Besonders am Herzen liegt mir derzeit „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ von Sebastian Stuertz. Ein wilder Ritt durch die Neunziger Jahre. Entfesselt, urkomisch und herzerwärmend. Noch dazu gelesen vom fantastischen Shenja Lacher, der diesen Text vorträgt, als ob er ihm auf den Leib geschrieben worden ist. Absolute Empfehlung!

Verena: Sich für einen Titel zu entscheiden ist sehr schwer, man möchte ja, dass alle diese tollen Geschichten ihre Hörer finden. Ein Titel, der mir in der Pressearbeit besonders Spaß macht ist „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ von Sebastian Stuertz, den Shenja Lacher für uns eingelesen hat. Ich finde seine Stimme und seine Wandelbarkeit großartig und ich finde man spürt als Hörer wie sehr er sich in die Texte hineinlebt. Sebastian Stuertz und Shenja Lacher haben sich auch getroffen und wie sehr die Chemie stimmt, merkt man an dem Social Media-Material, das dabei entstanden ist. Zu lustig! Es ist immer toll, wenn sich Autor und Sprecher so gut verstehen.

Und dann ist da natürlich noch diese absolut schräge Geschichte, die so abgefahren wie wahnsinnig ist und die einen ständig davon abhält auf Pause zu drücken.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen und meine Fragen beantwortet habt.

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