Was macht ein gutes Hörbuch aus?

Eine Frau, die aus dem Fenster schaut. Sie blickt auf eine Gedankenblase in der "Gedacht" steht.
Foto: Emma Zecka

Hallo Hörbuchfans, oder solche, die es werden wollen,

wieder einmal hat mich der Freiburger Bücherstammtisch zu einer kleinen Reihe rund um das Thema Hörbuch inspiriert. Im Juni war nämlich genau dieses Thema eines unserer Programmpunkte. Und wer meinem Blog schon eine Weile folgt, weiß, dass ich einiges zum Thema Hörbuch zu erzählen habe.
Beginnen wir also diesen, längst überfälligen, Themenschwerpunkt mit den Fragen: Was macht für mich ein gutes Hörbuch aus? Welche Aspekte entscheiden darüber, ob ein Hörbuch bei mir einziehen darf?

Die Stimme

Während das Buchcover häufig entscheidet, ob ein Titel in die Hand genommen und der Klappentext gelesen wird, ist es bei mir der/die Hörbuchsprecher*in, die mich entweder sofort zugreifen, oder doch zögern lassen. An dieser Stelle sei aber gesagt, dass die Stimme etwas sehr subjektives ist: Es gibt Hörbuchsprecher*innen, die ziemlich gefragt und beim Publikum auch recht beliebt sind, die mir aber überhaupt nicht liegen. Und dann gibt es auch Hörbuchsprecher*innen, von denen ich am liebsten viel mehr Texte interpretiert haben möchte.

Nun stellt sich die Frage, was eine/n gute/n Hörbuchsprecher*in für mich ausmacht.  Zuerst einmal muss mich der/die Sprecher*in von seiner/ihrer Stimmfarbe ansprechen. Kann ich ihm/ihr gut zuhören?

Ob mir die Stimmfarbe liegt, finde ich meist in der Hörprobe zum Hörbuch heraus. Die Hörproben zu den Titeln können auf den Homepages der Hörbuchverlage angehört werden. Leider sind nicht alle Websiten wie z.B. die Website der RandomHouse Verlagsgruppe (da die Seiten aller Verlage denselben Aufbau haben, gehe ich mal davon aus, dass das alle Websiten betrifft) barrierefrei. Deswegen empfehle ich, den gewünschten Titel bei einem Shop z.B. iTunes zu suchen. Manchmal kann man auch dort in den Titel reinhören.

Doch die Stimmfarbe alleine reicht nicht immer aus, um mich über mehrere Stunden hinweg bei Laune halten zu können. Der/die Sprecher*in muss Feinheiten der Geschichte herausarbeiten. Doch was genau sind Feinheiten für mich? Die Betonung muss stimmen. Der Text darf nicht immer gleich interpretiert sein. Ich muss hören können, welche Stimmung die Geschichte transportieren soll. Ich will die Charaktere der Geschichte kennen und verstehen lernen.

Einige Hörbuchsprecher*innen sind vor allem aufgrund ihrer Stimmfarbe oder einer bestimmten Eigenschaft, wie beispielsweise das Sprechen von Dialekt in regionalen Krimis gefragt. Für ihr Themengebiet sind sie meist sehr gut geeignet. Allerdings kann man sie aus meiner Sicht eben nur für bestimmte Titel einsetzen.

Und wer sind meine Lieblingshörbuchsprecher*innen?

An dieser Stelle habe ich mal eine kleine Auswahl der Sprecher*innen für euch, die zu meinen bisherigen Favoriten gehören. Wenn ihr wissen wollt, welche Titel von den hier genannten Sprecher*innen gelesen wurden, schaut doch mal in meiner Nach Hörbuchsprechenden sortiert Liste vorbei.

  • Birte Schnöink
  • Luise Helm
  • Julia Nachtmann
  • Maria Koschny
  • Eva Gosciejewicz
  • Die Thalbach Frauen
  • Simon Jäger
  • David Nathan
  • Christoph Maria Herbst
  • Andreas Fröhlich
  • Stefan Kaminski
  • Dietmar Wunder

Wenn ihr die Namen in die Suche auf der rechten Seite eingebt, gelangt ihr auch zu einer eigenen Seite zu den jeweiligen Sprechenden auf der ihr Infos über ihren Werdegang sowie eine Hörprobe findet.

Die Geschichte und der/die Autor*in

Ja, wenn ich mir ein neues Hörbuch zulege, steht der/die Autor*in des Textes für mich nicht an erster Stelle. Wenn es sich um Autor*innen handelt, von denen ich bereits mehrere Titel gehört habe, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass auch der neuste Titel bei mir einzieht. Allerdings können es auch mir unbekannte Autor*innen in mein Hörbuchregal schaffen, wenn ihr Titel von einem meiner Lieblingshörbuchsprecher*innen gelesen wurde.
Wie ihr ja wisst, bin ich in mehreren Genres zu Hause und glaube daher, dass ich offen für viele Geschichten bin.

Was mich aber von einem Kauf abschreckt, sind Klischees: Der Protagonist, der eine fantastische Welt vor den bösen Gefahren retten muss, der am Boden liegende Ermittler, der von seiner Vergangenheit eingeholt und nebenbei noch ein Sexual- und/oder Gewaltverbrechen aufklären muss; der Privatermittler, der einen Serienkiller überführen soll… Ihr kennt diese Klappentexte sicher: Gefühlt wisst ihr schon nach dem ersten halben Satz, wohin die Geschichte läuft und ob ihr euch das wirklich antun wollt.

An dieser Stelle verrate ich euch ein Geheimnis, was ab jetzt keines mehr ist: Während sich viele von euch im Buchhandel von neuen Geschhichten inspirieren lassen, nutze ich dafür die jährlichen oder halbjährigen Treffen mit den Pressemitarbeiterinnen verschiedener Hörbuchverlage im Rahmen der Frankfurter und der Leipziger Buchmesse. Glücklicherweise nehmen sich die Mitarbeiterinnen meist eine halbe bis Dreiviertelstunde Zeit, mir von dem kommenden Verlagsprogramm zu erzählen. Und meist warten dort ziemlich viele, spannende Titel auf mich, die ich dann im kommenden Jahr höre.

Seit dem Bücherstammtisch und dem Buchclub lerne ich aber auch immer wieder andere Geschichten kennen, die bereits schon länger im Buchhandel zu finden sind. Richtige Stöberrunden in Buchhandlungen mache ich leider so gut wie gar nicht mehr, weil es mir einfach zu mühsam ist, die Klappentexte der Hörbücher im Laden lesen zu müssen, wobei das nichts mit der Gestaltung des Hörbuches, oder der Buchhandlung zu tun hat, sondern eher mit meiner Sehrest zusammenhängt.

Die Gestaltung des Hörbuches

Die Gestaltung beim Hörbuch ist für mich ebenfalls ein wichtiges Kriterium: Handelt es sich um eine gekürzte oder ungekürzte Fassung? Oder wurde die Buchvorlage sogar ausschließlich als Hörspiel umgesetzt?

Die verschiedenen Formate

Ich stehe gekürzten Hörbüchern, die auch als autorisierte Fassungen bezeichnet werden, sehr kritisch gegenüber. Die Mitarbeiterinnen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der verschiedenen Hörbuchverlage erklären zwar immer, dass natürlich sensibel gekürzt wird. Dennoch ertappe ich mich häufig dabei, wie ich mich bei gekürzten Titeln auf die Fehlersuche begebe: Wurde der Handlungsstrang bereits erwähnt? Kam die Szene wirklich vor, auf die sich Protagonist X gerade bezieht? Und ist gerade diese Pause zwischen zwei Ereignissen nicht zu kurz? Fehlt hier nicht vielleicht sogar eine Szene dazwischen?

Wenn ein Buch wenig Seiten hat und dann noch als gekürztes Hörbuch umgesetzt wurde, verstehe ich häufig den Grund nicht. Bei Titeln, die eine Länge von 1.000 Seiten haben, gibt es sicher Stellen, die gut gekürzt werden können und wahrscheinlich nicht mal von mir vermisst werden. Aber wenn ein Titel nur 250-300 Seiten hat, frage ich mich wirklich, wo bei den Kürzungen dann angesetzt wird.

Häufig heißt es ja, dass man bei den Nebensätzen sehr radikal ist. Damit habe ich auch kein Problem, weil das gut von den Interpret*innen aufgefangen werden kann. Aber gerade, wenn es wirklich an inhaltliche Kürzungen geht, bin ich sehr skeptisch.

Deswegen freut es mich umso mehr, dass durch das mp3 Format mehr ungekürzte Titel produziert werden. So habe ich die Möglichkeit alle Aspekte einer Geschichte kennenzulernen und auch mit Leser*innen über den Titel diskutieren zu können, die lieber zur Buchvorlage gegriffen haben.

Aktuell bin ich gerade dabei mich an das Hörspiel heranzutasten: Bisher habe ich schon ein paar Hörspiele gehört, die aber auf einer Buchvorlage basierten. Schön finde ich es, wenn das Hörspiel einen Mehrwert zur Buchvorlage liefert und es uns eine neue Perspektive auf die Geschichte ermöglicht. Dennoch ertappe ich mich auch bei den Hörspielen, die auf einer Buchvorlage basieren, bei der Frage, wo der Text gekürzt wurde und wie viel von dem Originaltext wirklich noch drin steckt.

Das Sahnehäubchen der Hörbuch Gestaltung

Was ich an Hörbuch Gestaltungen wirklich mag, was mir leider aber noch viel zu selten begegnet ist sind folgende Stilmittel:
Immer wieder gibt es Hörbücher, die von mehreren Sprecher*innen gelesen werden. Hier finde ich es sehr praktisch, wenn am Anfang des Hörbuches kurz erklärt wird, wer welche Rolle spricht. In Was wir dachten, ws wir taten von Lea-Lina Oppermann ist das beispielsweise super gelöst und nimmt nicht viel Zeit in Anspruch.

Der zweite Punkt, der mir wichtig ist, sind die Kapitel Angaben. Gerade wenn man einen Titel mit mehreren Kapiteln oder Perspektiven hat und diesen gemeinsam im Rahmen einer Lese- bzw. Hörrunde mit anderen Leser*innen genießen möchte, ermöglichen einem die Kapitelangaben das Einhalten der verschiedenen Leseabschnitte, in die die Titel bei Leserunden häufig eingeteilt werden.

Und Du?

Hörst Du Hörbücher?
Was ist Dir bei einem Hörbuch wichtig?

2 Gedanken zu „Was macht ein gutes Hörbuch aus?“

  1. Ich höre nur selten Hörbücher, da ich die Ruhe dafür nicht habe. Am längsten bin ich bei den neueren Kluftinger-Krimis dran geblieben. Das Konzept mit einem professionellen Sprecher und den beiden Autoren (mit Färbung des Dialekts) fand ich richtig gut, da konnte ich gut zuhören.
    Stefan Kaminski liebe ich ja seit "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt", da zeigt er, was er kann.
    Nachteil bei Sprecher*innen ist, wenn man sie bereits mit einem Buch verbindet. Das geht mir bei Marie Bierstedt so. Ich kannte von ihr die Lesungen von "House of Night". Ich fand die nicht besonders toll und anschließend hatte ich immer Zoes Nörgelstimme im Kopf, wenn ich Marie Bierstedt gehört habe. Dummerweise hat sie auch die Hörbücher von "Die zauberhaften Schwestern" eingelesen, die meine Töchter rauf- und runtergehört haben. 😀

    Liebe Grüße
    Mona

    Antworten
  2. Guten Morgen Mona,

    bei mir hat es auch erst eine Weile gedauert, bis ich as Richtige gefunden habe, das ich neben dem Hörbuch hören machen kann. (Meist sitze ich beim Hörbuch hören auf dem Hometrainer oder stöbere nebenbei auf Twitter 🙂 ).

    Das mit den Sprecher*innen, die man nicht mehr hören kann oder mit einer bestimmten Geschichte verbindet, kenne ich. Freunde von mir sind richtige Fans von Rufus Beck und haben daher einige Hörbücher, die von ihm gelesen wurden. Für Kindergeschichten ist er auch eine richtig gute Besetzung. Aber letztes Jahr hab ich einen Titel aus der Erwachsenenliteratur gehört, der von ihm gelesen wurde und da hat die Geschichte und siene Stimme leider überhaupt nicht zueinander gepasst. Obwohl beides richtig gut ist.

    Marie Bierstedt finde ich interessant. Ich habe leider noch nicht viele Hörbücher mit ihr gehört. Mal schauen, ob ich das noch aufholen werde.

    Super, dass Deine Töchter auch für Hörbücher zu begeistern sind. Ich hoffe, sie entscheiden sich bald für einen Titel mit einer für Dich angenehmeren Sprecher*in :).

    viele Grüße und vielen Dank fürs vorbeischauen und kommentieren.

    Emma

    Antworten

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