
Der Inhalt
Bei dieser Rezension handelt es sich um die Besprechung des Folgebandes einer Reihe. Ich werde nicht inhaltlich zu diesem Band spoilern, setze das Wissen aus den vorherigen Bänden für meine Rezension aber voraus.
Ich muss gestehen, dass ich immer mehr Mühe habe die Handlung zu begreifen. Was ich damit meine? Ich verstehe nicht worauf George R. R. Martin hinaus will und welche Botschaft er mit der Reihe, insbesondere diesem Band, vermitteln wollte.
Auch in Das Lied von Eis und Feuer – Die dunkle Königin spielt Religion wieder eine zentrale Rolle. Arya versucht ihr neue Zuhause in einer Glaubensgemeinschaft zu finden. Doch es fällt ihr schwer ihr altes Leben hinter sich zu lassen und sich der Routine in der Gemeinschaft einzuordnen.
Wir lernen gleich zu Beginn eine Clique junger Menschen kennen, die zu Maestern ausgebildet werden soll. Zur Tradition einer Maester Ausbildung gehört, dass man sich eine Kette schmiedet, die während des lebenslangen Dienstes immer um den Hals getragen wird. Obwohl es für mich hier nicht direkt einen Bezug zu einer Glaubensrichtung aus George R. R. Martins fiktiver Fantasywelt gab, hatte diese Tradition für mich etwas Religiöses.
Cersei (endlich richtig geschriebener Name!) versucht die Priester für sich und ihre Pläne zu gewinnen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich eine gläubige Person ist oder lediglich an ihrem Glauben festhält, weil sie weiß, dass es ihr nützen könnte wenn sie die Priester auf ihrer Seite hat.
Diesmal empfand ich die Religion im Vergleich zum vorherigen Band nicht als bedrohlich. Im vorherigen Band war ich mir nie sicher, ob es die gläubigen Menschen gut mit meinen Lieblingsfiguren meinen oder ob sie nur Spielfiguren in einem Spiel sind, dessen Regeln sie nie verstehen werden. Hier hingegen hatte ich den Eindruck, dass es sich mit der Religion wie mit einer Pendelbewegung verhält: Mal waren die Figuren von der Religion abhängig, mal liefen Religion und Figur aber auch nebeneinander her. Ergibt das irgendeinen Sinn?
Das Ende des Hörbuches kam wie immer etwas abrupt mit zwei Cliffhangern, die aber nicht unmittelbar etwas mit dem Ende zu tun haben, aber trotzdem dafür sorgen, dass ich am liebsten so schnell wie möglich mit dem nächsten Band der Reihe weiterhören möchte.
Die Figuren
Schon in den vorherigen Bänden deutete sich an, dass Arya und Sansa Stark untertauchen müssen. Die eine, weil sie sich einen Neustart an einem Ort wünscht, der von ihr verlangt das alte Leben hinter sich zu lassen, die andere, weil man ihr ein Verbrechen unterstellt. Beide kommen eine neue Identität geschenkt, die sie nur anzunehmen brauchen.
George R. R. Martin hat diese Transofrmation durchgezogen und beispielsweise auch die Perspektiven mit ihren neuen Namen beginnen lassen was mich zuerst verwirrte, bis ich verstand in welcher Perspektive wir uns gerade befinden. Interessant finde ich, dass diese Veränderung die Schwestern immer weiter weg von ihrer Familie und dem Wunsch nach einem Zuhause bringt. Ich bin sehr gespannt ob sie es im Laufe der Reihe schaffen wieder zu ihren Wurzeln zurückzukehren und sich treu zu bleiben.
Jamie Lennister gehört zu den Figuren, die aus meiner Sicht eine der größten Entwicklungen in dieser Reihe machen. In diesem Band ist mir aber wieder einmal bewusst geworden, dass ich Jaimes Entwicklung nicht ganz nachvollziehen kann, weil ich nicht verstanden habe, was ihn dazu veranlasst über sein Leben zu reflektieren. Es freut mich sehr, dass er sich verändert und ich bin auch sehr gespannt wohin sein Weg in dieser Reihe noch führt, dennoch wünsche ich mir ein bisschen mehr Aha-Momente.
Die Hörbuchgestaltung
Die Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Reihe wurde von RandomHouse Audio ungekürzt und neu übersetzt produziert. Funfact: Das ist manchmal etwas kompliziert wenn ich eine Zusammenfassung eines Bandes google und feststelle, dass in der Zusammenfassung die englischen Namen ins Deutsche übersetzt wurden.
Die Reihe wird von Stefan Kaminski gelesen, dessen Interpretation mir einfach weiterhin großen Spaß macht, auch wenn wir einen Großteil der Handlung mit Figuren verbracht haben, die mich wirklich nerven. Stefan Kaminski hat mir die nervigen Handlungsstränge dank seiner Interpretation etwas erträglicher gemacht. Wie auch in der vorherigen Rezension festgestellt, gab es auch in diesem Band Figuren, die ich aufgrund ihrer Stimmfarbe hätte erkennen können was ein richtig gutes Stilmittel ist.
Allerdings kam mir hier die Handlung dazwischen, weil wir diese Figuren gefühlt vor einigen Bänden erlebt haben und ich deswegen die Figuren und ihre Geschichten nicht mehr komplett auf dem Schirm hatte.
Was mir diesmal an Stefan Kaminskis Interpretation aufgefallen ist: Er liest Cliffhanger so schlicht, dass ich immer mal wieder zurückspulen musste, weil ich mir nicht sicher war, ob ich mich verhört habe. Spannend fand ich, dass die Interpretation ein Gegenteil des Inhalts war. Der Inhalt endete mit einem lauten Knall, Kaminski wird in seiner Interpretation aber leise. Genau das hat diese laute Stimmung im Inhalt für mich aber untermalt, weil ich mich gefragt habe wie es jetzt nur für die Figur weitergehen kann.
Der Schreibstil
Auch wenn mich George R. R. Martin stellenweise inhaltlich nervt, weil ich mir mehr Auflösung anstatt mehr Wendungen in der Handlung wünsche, fasziniert mich sein Schreibstil nach wie vor. Zum einen wie er die Transformation der Stark-Schwestern benennt und zum anderen wie er Themen wie beispielsweise Religion in der Lebenswelt jeder Figur einfließen lässt und damit eine Verbindung zwischen den einzelnen Handlungssträngen herstellt.
Was mich sehr gefreut hat war, dass Figuren aufeinandergetroffen sind, mit denen ich so nicht gerechnet hätte. Hier hätte ich mir mehr Verbindung zwischen den Figuren gewünscht, wobei ich nachvollziehen konnte, dass sich die Handlungsstränge leicht berührten anstatt wirklich miteinander verbunden zu werden. Sonst hätte die Reihe ja den Ruf einer komplexen Reihe verlieren können.
Gesamteindruck
Die letzten beiden Bände von Das Lied von Eis und Feuer konnten mich nicht mehr komplett für sich gewinnen. Während ich in meiner vorherigen Rezension noch vermutet hatte, dass dieser Band sehr viel aktive Handlung für uns bereithalten wird, blieb sie für mich irgendwie auf der Strecke. Einige Handlungsstränge, die George R. R. Martin langatmig aufgebaut hatte, wurden in diesem Band in Richtung Höhepunkt gebracht.
Das sorgte bei mir aber nicht für eine Zufriedenheit, sondern eher wie ein entnervtes Aufatmen. Dennoch habe ich leichte Nostalgie-Stimmung, weil es nur noch zwei Bände hören muss um dann auf den neusten Stand der Reihe zu sein.
Infos zum Hörbuch
Das Lied von Eis und Feuer – Die dunkle Königin
Geschrieben von: George R. R. Martin
Gelesen von: Stefan Kaminski
Bewertung: 3 von 5 Herzen
Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.
Hier findet ihr mehr Infos über George R. R. Martin.
Hier findet ihr mehr Infos über Stefan Kaminski.
Weitere Rezensionen der bisherigen Bände
Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell* (Band 1)
Das Lied von Eis und Feuer – Das Erbe von Winterfell* (Band 2)
Das Lied von Eis und Feuer – Der Thron der Sieben Königreiche* (Band 3)
Das Lied von Eis und Feuer – Die Saat des goldenen Löwen* (Band 4)
Das Lied von Eis und Feuer – Sturm der Schwerter* (Band 5)
Das Lied von Eis und Feuer – Die Königin der Drachen* (Band 6)
Das Lied von Eis und Feuer – Die Zeit der Krähen* (Band 7)
_______________________________________
Dieses Hörbuch sowie die mit * gekennzeichneten Hörbücher wurden mir als Rezensionsexemplare kostenlos von RandomHouse Audio zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

