Die Känguru-Rebellion

Das Hörbuchcover von "Die Känguru Rebellion"
Bild von HörbuchHamburg Verlag

Der Inhalt

Das Känguru und Marc-Uwe Kling sind zurück. Sie rebellieren und zwar gegen die Zustände. Das tun sie laut, mit viel Satire und ziemlich viel Kritik an der Politik.

Meine Vorfreude auf Die Känguru-Rebellion war groß. Was ich an der Reihe liebe sind die Wortwitze, teils mit politischem Bezug, aber vor allem mit viel Situationskomik. Ich hatte die Hoffnung, dass uns genau das in diesem Hörbuch erwartet: Unterhaltsame Stunden, die uns eine kleine Auszeit bescheren. Wieder einmal habe ich gelernt, dass es gut ist, den Titel oder den Klappentext eines Hörbuches wörtlich zu nehmen.

Die Känguru-Rebellion ist im Vergleich zu den anderen Bänden deutlich politischer. Einerseits kann ich sehr gut nachvollziehen, dass Marc-Uwe Kling die Möglichkeit nutzt auf Missstände aufmerksam zu machen und auf die Entscheidungen der Politik hinzuweisen, die nicht immer ihren Platz in die Abendnachrichten finden.

Andererseits hätte ich mir gewünscht, dass wir eingeladen werden Inhalte zu interfragen und zwar nicht, in dem das Känguru erst einmal ordentlich mit dem Boxhandschuh ausholt und alles in den Dreck zieht, sodass uns oft gar nichts anderes übrig bleibt als uns mit der Meinung des Kängurus zu identifizieren.

Interessant fand ich, dass sich Marc-Uwe Kling bei der Handlung an der Erzählstruktur der ersten zwei Bände orientiert. Er erzählt die Handlung in sich abgeschlossenen Kapiteln. Allerdings werden immer wieder kleine Aspekte der Kapitel mit in die Folgekapitel genommen, sodass ein kontinuierlicher roter Faden entsteht, aber ohne, dass ich das Gefühl hatte einen Roman zu hören. Ergibt das irgendeinen Sinn? Literaturkritisierende könnten uns jetzt sicher erklären, wie das Phänomen heißt, das ich hier versuche zu beschreiben.

Dieser rote Faden hat mir an sich ziemlich gut gefallen, weil die mitgenommenen Aspekte, die ein oder zwei Kapitel später plötzlich wieder wichtig werden, genau das war was für mich zwischendurch für den Humor sorgte.

Das Ende kam nicht plötzlich, sondern rundete die Handlung für mich schön ab. An dieser Stelle noch etwas Jammern auf hohem Niveau und nein ich habe dafür keine Punkte in meiner Bewertung abgezogen:

Da Marc-Uwe Kling und das Känguru rebellieren und die Zuhörenden mehrfach dazu einladen, das auch zu tun, hätte ich es stimmig gefunden, wenn am Ende des Hörbuches auf eine Petition hingewiesen wird, unter der man unterschreiben kann. Aber auch da stellt sich natürlich die Fragee: Eine Petition wofür?

Die Figuren

Was ich an Die Känguru-Rebellion sehr cool fand war, dass wir einen Teil der Handlung auch aus der Perspektive des Kängurus erleben. Dadurch, dass ich den vierten Band der Känguru-Reihe noch nicht gehört habe, kann ich nicht sagen, ob dieser Perspektivwechsel hier das erste Mal auftaucht, oder ob er auch schon in der Kurzgeschichtensammlung zu hören ist.

Eine klassische Figurenentwicklung gibt es bei Marc-Uwe und dem Känguru aus meiner Sicht eigentlich nicht. Wobei: Marc-Uwe ist jetzt kein Kleinkünstler mehr, sondern schreibt in erster Linie Kinderbücher. Auch wirken Marc-Uwe Kling und das Känguru inzwischen älter, interessieren sich aber nach wie vor für dieselben Themen und wünschen sich Veränderung.

Es wird immer wieder deutlich, dass zwischen dem letzten Känguru-Abenteuer und der Rebellion einige Zeit vergangen ist. Immer wieder entstehen Nostalgie Momente, die aber auch für Zusammenhalt sorgen. Alle Personen, welche die Andeutungen verstehen, kennen nämlich dieselben Themen. So spricht Kling von defragmentierten Festplatten oder Kassetten.

Die Hörbuchgestaltung

Die Hörbuchgestaltung war für mich ein echtes Highlight. Das Hörbuch ist ungekürzt im HörbuchHamburg Verlag erschienen und wird auch wie die vorherigen Bände von Marc-Uwe Kling in Form einer Live-Lesung gelesen.

Ich habe die Vermutung, dass wir unterschiedliches Publikum hören. Ab bestimmten Kapiteln klingen die lachenden Menschen aus dem Publikum nämlich anders und gerade gegen Ende hatte ich den Eindruck, dass verhältnismäßig weniger gelacht wird.

Da das Känguru aufgrund der eigenen Perspektiven gefühlt mehr Rede-Anteil hatte, fand ich es beeindruckend Marc-Uwe Kling teils über mehrere Minuten in der höheren, leicht nervig klingenden, Känguru Stimme zu hören.

Der Schreibstil

Wie weiter oben bereits angedeutet, fehlte mir im Schreibstil der Wortwitz. Zwar müssen Friedrich Merz und Markus Söder für viele Witze herhalten, ich hatte aber nicht den Eindruck, dass hier der Wortwitz im Vordergrund steht, sondern es vor allem darum ging, sich über beide Politiker lustig zu machen. Hier hat es sich Marc-Uwe Kling aus meiner Sicht etwas zu einfach gemacht.

Außerdem waren es mir fast zu viele Monologe in denen das Känguru über wichtige politische Themen referiert. Hier hätte ich mir eine andere Verteilung zwischen Themen und Leichtigkeit gewünscht um die gesellschaftspolitischen Themen zwischendurch auch verarbeiten zu können. Stattdessen hatte ich den Eindruck dass es vor allem darum ging möglichst viele Themen unterzubringen.

Gesamteindruck

Für alle Känguru-Fans ist dieses Hörbuch ein tolles Wiederhören mit Marc-Uwe Kling und dem Känguru. Es gibt ein Wiedersehen mit fast allen Figuren – außer Schredder – und somit auch ein paar Nostalgie-Momente.

Wenn ihr eine Pause von gesellschaftspolitischen Themen braucht, ist das Hörbuch allerdings mit Vorsicht zu genießen. Es sei denn natürlich ihr wollt die Politik durch die Brille des Kängurus erleben. Das eröffnet hier und da nämlich interessante Perspektiven.

Infos zum Hörbuch

Die Känguru-Rebellion
Geschrieben und gelesen von: Marc-Uwe Kling
Bewertung: 3 von 5 Herzen

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.

Hier erfahrt ihr mehr über Marc-Uwe Kling als Autor und als Sprecher.

 

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