
Der Inhalt
Bei dieser Rezension handelt es sich um die Besprechung des Folgebandes einer Reihe. Ich werde nicht inhaltlich zu diesem Band spoilern, setze das Wissen aus den vorherigen Bänden für meine Rezension aber voraus.
Schon nach den ersten Minuten des Hörbuches war ich komplett verwirrt: Wir lernen nämlich gleich zu Beginn nicht nur eine neue Figur kennen, sondern befinden uns auch an einem Ort, den wir bisher noch nicht betreten haben: Der Ort, an dem die Maester, also die Heilkundigen in George R. R. Martins Fantasywelt, ausgebildet werden.
Ich befürchtete, dass ich in diesem Band auf meine Lieblingsfiguren verzichten muss um dafür neuen Figuren zu folgen. Schließlich heißt es ja, dass George R. R. Martin seine Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Reihe so komplex angelegt hat, dass er inzwischen selbst den Überblick verloren haben soll.
Glücklicherweise fand ich schnell den roten Faden wieder und entdeckte, dass wir nach dem unbekannten Ort in die Heimat von Familie Greyjoy reisten und auch während des gesamten Inhalts viel Zeit mit der Familie Greyjoy verbringen werden. Wir lernen nämlich einen Onkel von Usher und Theon kennen, der inzwischen als Priester arbeitet. Und ich sag’s euch, die Rituale des Gottes der Meere liegen mir gar nicht.
Inhaltlich finde ich, dass in diesem Band nicht viel passiert ist. Bei meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass dieser Band und der achte Band im Original ein Buch ergeben und nur in der deutschen Übersetzung auf zwei Bücher aufgeteilt wurden. Ich bin also gespannt ob im nächsten Band wieder so viel Handlung zu finden sein wird, dass ich gar nicht mehr weiß wohin mit der ganzen Action.
Während ich in den letzten Bänden den Eindruck hatte, dass die Figuren vor Herausforderungen gestellt werden, die auch die Handlung voranbrachten, wirkte es auf mich diesmal auf den ersten Blick so, als ob sich vieles auf der Stelle bewegt. Figuren kamen nicht voran und ich konnte auch nicht wirklich sagen was das zentrale Thema der Handlung sein sollte.
Bei genauerem Hinsehen ist mir dann aufgefallen, dass in Das Lied von Eis und Feuer – Die Zeit der Krähen Religion eine sehr große Rolle spielt. Wir lernen nämlich nicht nur den Gott des Meeres bzw. vor allem diejenigen kennen, die an ihn glauben. Wir erfahren auch wie die Lennisters ihrer Toten gedenken oder welche Religion es außerhalb der Sieben Königslande gibt.
Religion spielte in den vorherigen Bänden aus meiner Sicht eher eine Nebenrolle. Durch Daenerys oder auch die Wildlinge lernten wir andere Kulturen kennen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass George R. R. Martin Religion hier vor allem als Element platziert um die unterschiedlichen Kulturen herauszuarbeiten. In diesem Band wirkte sich die Religion aber auf die Handlung aus, weil sie teilweise der Auslöser für Entscheidungen von Figuren war.
Ich bin mir sehr sicher, dass George R. R. Martin diese Details nicht ohne Grund in die Handlung eingebaut hat. Ich bin wirklich gespannt warum er diesen Schwerpunkt gesetzt hat und inwiefern sich die Religionen weiterhin auf die Entscheidungen der Figuren auswirken werden.
Die Figuren
In meiner letzten Rezension habe ich es bereits angedeutet, jetzt kann ich es endlich schreiben: ich habe mich so gefreut, dass Tyrion es endlich geschafft hat sich von seinem Vater zu lösen. Gut er hätte ihn aus meiner Sicht nicht gleich umbringen müssen, wobei es wahrscheinlich gar keine andere Möglichkeit gegeben hätte, ihm anders aus dem Weg zu gehen.
Im letzten Band dachte ich wirklich, wir müssten uns von Tyrion verabschieden. Umso mehr hat er mir in diesem Band gefehlt. Ich bin mir aber sicher, dass George R. R. Martin ihn nicht auf so spektakuläre Weise gerettet hätte, wenn es nicht noch eine wichtige Funktion für ihn innerhalb der Reihe geben würde.
Wer mich in diesem Band mit am meisten genervt hat war Cersey Lennister, Tyrions und Jamies Schwester, die vor allem mit einer Eigenschaft glänzt: Hass. Ansonsten hatte ich nicht den Eindruck, dass viel in ihrem Leben passiert. Sie sucht sich neue Feinde, spinnt Intrigen und ich hoffe, dass keine davon Erfolg haben wird, weil ich nicht den Eindruck habe, dass ihre Intrigen die Handlung in irgendeiner Weise voranbringt.
George R. R. Martin hat mich mit zwei Entscheidungen überrascht: Es gibt zwei Figuren, die neue Wege einschlagen. Mit einem Weg hatte ich fast gerechnet und habe mich gewundert nicht selbst darauf gekommen zu sein. Schließlich war es wirklich eine naheliegende Entscheidung.
Den Weg, den eine andere Figur eingeschlagen hat, stimmt mich etwas misstrauisch, weil ich den Eindruck hatte, dass dieser Weg sie nur noch weiter weg von den Menschen bringt, die sie lieben. Inzwischen habe ich aber die Hoffnung, dass sie in der neuen Wahlheimat auf andere bekannte Figuren trifft und sich dadurch en Kreis schließt.
Sehr gefreut habe ich mich, dass Brienne in diesem Band eine eigene Perspektive bekommt. Schon in den vorherigen Bänden fing ich an sie als Figur zu mögen. Dadurch, dass wir ihr durch die Handlung folgen, hatte ich den Eindruck ihre Entscheidungen noch besser nachvollziehen zu können, weil ich nun wusste, welche Themen sie bewegen.
Während ich in den vorherigen Rezensionen immer wieder genervt davon war wie George R. R. Martin die Frauenfiguren darstellt, bin ich überrascht davon, dass jede von ihnen auf ihre Art an Stärke gewonnen hat, wichtige Entscheidungen treffen muss und sich nicht ausschließlich über das weiblich sein darstellt. Okay abgesehen von Cersey vielleicht.
Ich bin wirklich gespannt wohin die Reise der Figuren noch gehen wird.
Die Hörbuchgestaltung
RandomHouse Audio hat die Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Reihe neu übersetzen lassen und ungekürzt produziert. Dafür wurde eine limitierte Auflage an CD-Boxen produziert, die auch Fanartikel enthalten. Bei mir ist die Reihe inzwischen komplett ausschließlich als Hörbuch-Download eingezogen.
Stefan Kaminski liest die Reihe und ich frage mich inzwischen wie viel Zeit er im Tonstudio verbracht hat um diese Reihe einzulesen. Während ich in den vorherigen Rezensionen immer wieder geschrieben habe wie fasziniert ich von seiner Interpretation bin und, dass ich mich frage, womit er mich noch überraschen kann, ist mir in diesem Band ein neues Element innerhalb seiner Interpretation aufgefallen.
Dafür möchte ich folgenden Vergleich anführen. Stellen wir uns verschiedene Farben vor wie beispielsweise rot. Wir wissen alle wie rot aussieht und wissen auch, dass es verschiedene Rottöne gibt. Alle Rottöne können der Farbe rot zugeordnet werden.
In Das Lied von Eis und Feuer – Die Zeit der Krähen ist mir erstmals bewusst geworden, dass Stefan Kaminski die verschiedenen Familien oder Völker in ähnlichen Stimmfarben interpretiert. Ergibt das irgendeinen Sinn? Mir ist es vor allem deswegen aufgefallen, weil ich diesmal Figuren erkannte, noch bevor ihr Name fiel, oder Figuren miteinander verwechselte weil sich die Stimmfarben ähneln, in denen Kaminski sie interpretiert.
Wie viel Kontrolle muss ein Mensch über seine Stimme haben damit es ihm gelingt jede Figur in einer leicht anderen Nuance zu interpretieren? Genial, oder?
Was ich bei den Hörbuch-Ausgaben tatsächlich etwas schade finde ist, dass es mir schwerfällt den Überblick über die fiktive Welt zu behalten. Ich verstehe immer noch nicht ganz wie George R. R. Martins Fantasywelt konkret heißt, ob Westeros ein Kontinent ist und wie weit sich die Sieben Königslande eigentlich erstrecken.
Mir fällt aber keine Möglichkeit ein wie man eine Landkarte hätte auditiv darstellen können. Jedes Mal eine Art erklärenden Absatz zu Beginn des Hörbuches einzufügen, hätte wahrscheinlich etwas sperrig gewirkt.
Eine Möglichkeit, die ich sehe ist, die Hinweise über Länder und Kontinente direkt in die Handlung einzubauen. Allerdings hätte man dann subtil in die Handlung eingreifen müssen und hier frage ich mich auch, ob das nicht die Handlung in sich unterbrochen hätte. Jedenfalls ziehe ich für diese Schwierigkeit keine Punkte in meiner Bewertung ab.
Der Schreibstil
Ich mag es wie George R. R. Martin die Unterschiede der verschiedenen Kulturen sprachlich kennzeichnet. Während am Hof von Kings Landing oder anderen Adelshäusern geihrzt wird, spricht man in der Heimat der Greyyjoys eher ruppig miteinander wie das eben unter Seeleuten üblich ist.
Was mich etwas erschreckt ist, dass ich langsam nachvollziehen kann, wenn man von Verrohung der Lesenden bzw. Hörenden spricht. In der Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Reihe gibt es wirklich sehr viel Gewalt. Nicht immer wird ein Kampf oder eine Schlacht detailliert beschrieben.
Dennoch eignet sich die Reihe für mich nicht für jede Person, da eben doch recht viel Blut fließt. Wenn inzwischen Schwerter oder Dolche gezückt werden, merke ich, dass es mich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringt. Jetzt frage ich mich, ob ich abgehärtet bin, Martins Beschreibungen vielleicht nicht mehr so detailliert sind oder er mich mit dem Stilmittel einfach nicht mehr schockieren kann.
Gesamteindruck
Obwohl ich nicht jedes Detail im Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Universum verstehe und nach dem Beenden eines Bandes immer wieder nach einer Zusammenfassung suche um zu überprüfen, ob ich wirklich alles richtig verstanden habe, fühlt es sich für mich so an, als ob ich in der fiktiven Welt angekommen bin.
Deswegen hat es mir auch nicht so viel ausgemacht, dass die Handlung kaum vorankam, was vor allem damit zusammenhängt, dass ich Stefan Kaminski wirklich gern zuhöre.
Was mir zu guter Letzt noch aufgefallen ist: Mir war nicht bewusst warum dieser Band den Untertitel Die Zeit der Krähen trägt. Die Untertitel der bisherigen Bände spielten sich auch in der Handlung wieder. So spielten in einem Band die Schwerter eine wichtige Rolle, im vorherigen Band traf Daenerys wichtige Entscheidungen. Ich bin gespannt, ob der Untertitel einen Sinn ergibt, wenn ich mit dem Folgeband beginne.
Wenn ihr euch fragt, ob es Sinn ergibt mit einer so lnagen Fantasyreihe zu beginnen, auch wenn noch nicht feststeht wie die Reihe endet kann ich euch die Frage eindeutig mit JA beantworten. Es macht wirklich Spaß in die Welt einzutauchen, Figuren kennenzulernen und von Band zu Band Stefan Kaminskis Interpretation zu entdecken.
Infos zum Hörbuch
Das Lied von Eis und Feuer – Die Zeit der Krähen
Geschrieben von: George R. R. Martin
Gelesen von: Stefan Kaminski
Bewertung: 3 von 5 Herzen
Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.
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Hier findet ihr mehr Infos über Stefan Kaminski.
Weitere Rezensionen der bisherigen Bände
Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell* (Band 1)
Das Lied von Eis und Feuer – Das Erbe von Winterfell* (Band 2)
Das Lied von Eis und Feuer – Der Thron der Sieben Königreiche* (Band 3)
Das Lied von Eis und Feuer – Die Saat des goldenen Löwen* (Band 4)
Das Lied von Eis und Feuer – Sturm der Schwerter* (Band 5)
Das Lied von Eis und Feuer – Die Königin der Drachen* (Band 6)
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Dieses Hörbuch sowie die mit * gekennzeichneten Hörbücher wurden mir kostenlos als Rezensionsexemplare von RandomHouse Audio zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

