
Der Inhalt
Hierbei handelt es sich um die Rezension eines Folgebandes. Ich werde nicht inhaltlich zum sechsten Band spoilern, setze das Wissen aus den vorherigen Bänden für meine Rezension aber voraus.
Düstere Zeiten in den sieben Königslanden. Kings Landing ist fest in den Händen der Lannisters. Egal, ob König Goffrey oder seine Hand Lord Tyron, keiner von beiden tut dem Land wirklich gut.
Währenddessen haben die Schwestern Sansa und Arya nur ein Ziel: Die eine wünscht sich nichts sehnlicher als endlich aus Kings Landing fliehen zu können, die andere hofft sich endlich nach Riverrun zu ihrer Mutter durchschlagen zu können.
Jon versucht nach wie vor das Vertrauen der Wildlinge zu gewinnen und Sam sucht den Weg zurück zur Mauer.
Daenerys, Sturmtochter, hat nur ein Ziel: Mithilfe ihres Heers und den Drachen ihre Heimat zurückzuerobern.
Inhaltlich ist im sechsten Band von Das Lied von Eis und Feuer so viel passiert. Der Untertitel lässt vermuten, dass Daenerys den Großteil der Handlung bestimmt, weil sie die einzige Figur ist, die Drachen bei sich hat. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass gerade in der zweiten Hälfte der Handlung so viel passiert, was primär nichts mit Daenerys zu tun hat.
Worüber ich wirklich froh war, dass George R. R. Martin in diesem Band Figuren zusammenbringt und sie nicht weiter voneinander entfernt. Erstmals hatte ich den Eindruck, ein klein bisschen mehr Überblick über die Handlung und ihre Zusammenhänge zu bekommen, allerdings nur so lange bis der Epilog kam. Obwohl an jeder Ecke immer noch Krieg herrscht wird die Handlung vor allem durch die Figuren und nicht durch die Schlachten bestimmt. Es gibt nach wie vor viel Gewalt, aber ich empfand die Handlung nicht so düster wie die vorherigen Bände.
Sehr gefreut habe ich mich über zwei Handlungsstränge von denen ich euch erst in der nächsten Rezension mehr erzählen werde, weil ich ja nicht inhaltlich zu den jeweiligen Bänden spoilern möchte.
Aktuell achte ich bei Hörbüchern auch auf die Struktur des Inhalts um herauszufinden wie Autor*innen arbeiten und an welchen Stellschrauben gedreht wird um Spannung zu erzeugen. Bei dieser Reihe gelingt es mir aber kein bisschen, weil es sich für mich so anfühlt, als würde ich in einen Irrgarten hineingezogen, nur um nach vielen Hörstunden am Ausgang zu stehen und die ganzen Ereignisse erst einmal sortieren zu müssen.
Während mich die fehlende Struktur in den vorherigen Bänden sehr genervt hat, fand ich es hier faszinierend, dass George R. R. Martin Handlungsstränge durchaus auch wieder zusammenbringen kann. Auch wenn wir mittendrin in der Reihe sind, fühlte sich das Ende für mich fast ein bisschen rund an, wobei genug Fragen offengelassen werden und ich am liebsten sofort den nächsten Band weitergehört hätte.
Die Figuren
Mein absolutes Highlight in diesem Band waren die Figuren und ihre Entwicklung. Vor allem, weil Figuren, die ich unsympathisch fand, unmerklich begannen eine neue Seite von sich zu zeigen. Worüber ich wirklich froh war ist, dass meine Lieblingsfiguren nach wie vor meine Lieblingsfiguren sind. Vielleicht kann ich ihnen fragliche Aktionen deswegen leichter verzeihen?
Sam und Tyrion bekommen in diesen Bänden endlich ihre Empowerment-Momente, die ich mir für beide Figuren so sehr gewünscht habe. Gerade bei Sam war ich mir nicht sicher, ob ihn George R. R. Martin weiterhin als unbeholfenen jungen Mann darstellt, weil sich seine Entwicklung gefühlt in sehr kleinen Schritten abspielte. Nun bin ich aber wirklich gespannt wohin Sams Weg noch führt.
Um Tyrion habe ich inzwischen wirklich etwas Angst. Während er im letzten Band nur knapp einen Angriff überlebt hat, macht er sich in diesem Band auch wieder viele Feinde, findet aber auch einen unerwarteten Verbündeten. Ich hoffe wirklich, dass Tyrion auf der Seite der Guten bleibt und Menschen oder Wesen findet, die zu ihm halten, egal was komme.
Was George R. R. Martin wirklich gut gelingt ist die Figuren in Beziehung zueinander zu zeigen. Auch wenn sich Brianne und Jamie gefühlt am laufenden Band beleidigen, fühlen sie sich trotzdem auf irgendeine teils schräge Weise füreinander verantwortlich. Gerade Jamie, der für seinen Vater der absolute Held ist und dementsprechend sozialisiert wurde, hat eigentlich keinen Grund sich zu hinterfragen. Schließlich ist er ein gefragter Krieger.
Doch nachdem er seine Hand verloren hat, mit der er die Kämpfe gewann, für die er bekannt ist, kommt er in eine Krise. Was macht ihn noch aus, wenn nicht seine Arbeit als Kommandant der Königsgarde? Richtig stark fand ich eine Szene, in der Jamie in einer wirklich brenzligen Situation steckt und sich erstmals die Frage stellt wie sein kleinwüchsiger Bruder Tyrion diese Situation lösen würde.
Auch Arya trifft in diesem Band auf eine Figur, mit der sie am allerwenigsten Zeit verbringen möchte. Dennoch sind sie gezwungen zusammenzuarbeiten und das gelingt ihnen überraschend gut. Als sich ihre Wege doch trennen, war ich fast ein bisschen traurig, weil ich den Eindruck hatte, dass beide doch etwas voneinander lernen können. Ich bin sehr gespannt ob sie nochmal zusammenfinden.
Interessant finde ich wie George R. R. Martin Goffreys ehemalige Leibwache darstellt, der von allen nur der Bluthund genannt wird. Einerseits ist er für seine Brutalität bekannt. Andererseits zeigt er immer wieder, dass er auch an andere Figuren denkt und nicht nur als Einzelgänger durch die Gegend streift.
Die einzige Figur, die mich immer noch nicht für sich gewinnen kann, ist Daenerys und ich befürchte, dass ihre Geschichte im Laufe der Reihe zwangsläufig immer mehr Raum einnehmen wird. Das Merkwürdige ist, dass ich nicht benennen kann, was mich an ihr stört. Sie scheint eine sehr reflektierte Königin zu sein, die sich wünscht, ihre Heimat zurückzugewinnen und Gewalt gezielt, aber nicht einfach aus Brutalität einsetzt. Ob sie das zu einem besseren Menschen macht? Ich weiß es nicht, im Vergleich zu anderen Figuren scheint sie aber keine Freude an Gewalt zu finden.
Was ich mir für die Folgebände wünsche ist, dass mehr Figuren wieder zueinander finden und es neben den gefährlichen Situationen auch Hoffnung und viele Teilerfolge für die Figuren gibt. Gerade der Epilog eröffnet einen spannenden neuen Handlungsstrang auf dessen Weiterentwicklung ich sehr neugierig bin.
Die Hörbuchgestaltung
RandomHouse Audio hat die Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Reihe neu übersetzen und ungekürzt produzieren lassen. Es gibt eine limitierte CD-Ausgabe mit tollen Goodies für alle Fans der Reihe. Bei mir ist die Reihe als ungekürztes Hörbuch-Download eingezogen.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Stefan Kaminski liest diese Reihe einfach nur genial. Er gibt nicht nur jeder Figur, – egal ob Haupt-, oder Nebenfigur, – eine eigene Stimme, sondern beeindruckte mich in diesem Band vor allem aufgrund der Sprachmelodie in der er die Handlung liest. Gerade in einer Szene als er ein Duell zwischen zwei Figuren gelesen hat, erzeugte er einen Rhythmus, der dafür sorgte, dass ich mir die Szene bildhaft vorstellen konnte und glaubte, Teil der Geschichte zu sein.
Auch die oben beschriebene Veränderung einiger Figuren transportiert Kaminski durch eine leichte Anpassung seiner Interpretation. Manche Figuren liest er weicher, während andere eine Härte bekommen, sodass für mich schnell klar war, wie sie sich fühlen, wie sie beginnen sich zu hinterfragen oder wie tief der Schmerz ist, den sie gerade empfinden.
Seit ein paar bänden frage ich mich, ob Stefan Kaminski seine Interpretation noch toppen kann. Bisher gab es immer eine Stelle, die mich überrascht oder fasziniert hat. Ich bin also auch was seine Interpretation betrifft sehr gespannt auf die Folgebände.
Der Schreibstil
Was mich an George R. R. Martins Schreibstil nach wie vor beeindruckt ist die Sprache, die er wirklich konsequent durchzieht. Zum einen befinden wir uns in einer fantastischen Welt, die an das Mittelalter erinnert, weswegen je nach gesellschaftlicher Schicht bestimmte Formulierungen genutzt werden. So wird am Königshof beispielsweise gesiezt.
Dann gibt es aber auch die Sprache die den Weltenbau ausmacht. Wenn eine Hochzeit ansteht und das Paar in die Hochzeitsnacht verabschiedet wird, spricht man beispielsweise von der Tradition des Bettens. Durch die verschiedenen Länder, in denen die Handlung spielt, lernen wir auch verschiedene Kulturen kennen, die ebenfalls eigene Formulierungen nutzen, die ich leider jedes Mal vergesse mitzuschreiben.
Dadurch grenzt George R. R. Martin verschiedene Völker nicht nur voneinander ab, sondern sorgt dafür, dass die Kultur in sich rund und nachvollziehbar wirkt.
Was mich als Stilmittel ein bisschen nervte war die Tatsache, dass wir uns nie sicher sein können, ob eine Figur wirklich stirbt. Das ein oder andere Mal war ich froh über diese Wendung. Ich stelle aber auch fest, dass für mich dadurch Spannung verloren geht, weil der Tod nicht mehr als etwas endgültiges dargestellt wird, das es zu vermeiden gilt, sondern für mich jedes Mal mitschwingt, dass es ja sein kann, dass die Figur ein paar Szenen später wieder auftaucht, als wäre nichts gewesen.
Während mich im letzten Band sehr störte wie George R. R. Martin Sam und Tyrion darstellt, hat er für mich hier durch die Entwicklung der beiden Figuren sehr entgegengewirkt und mir dadurch das Gefühl gegeben, dass sie nicht nur dazu dienen um sich stellvertretend über eine Zielgruppe lustig zu machen.
Gesamteindruck
Nachdem ich den fünften Band der Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Reihe beendet habe, gab es für mich kein Zurück mehr. Ich war nun in der Welt angekommen, hatte Lieblingsfiguren und wollte wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Deswegen habe ich mich sehr gefreut wieder einige Stunden in der fiktiven Welt verbringen und mich überraschen lassen zu können.
Auch wenn ich immer noch im Hinterkopf habe, dass die Reihe nicht beendet ist, frage ich mich inzwischen mit welchem fiesen Cliffhanger uns George R. R. Martin zurücklässt oder hoffe, dass sich das Rätsel vielleicht auflöst, bis ich endlich beim zehnten Band angekommen bin.
Auch wenn ich im vorherigen Band in der Handlung mehr Bezug zum Untertitel erkennen konnte, wurden hier inhaltlich wichtige Weichen gestellt, die sich auf die Folgebände auswirken werden.
Infos zum Hörbuch
Das Lied von Eis und Feuer – Die Königin der Drachen (Band 6)
Geschrieben von: George R. R. Martin
Gelesen von: Stefan Kaminski
Bewertung: 5 von 5 Herzen
Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.
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Weitere Bände
Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell* (Band 1)
Das Lied von Eis und Feuer – Das Erbe von Winterfell* (Band 2)
Das Lied von Eis und Feuer – Der Thron der Sieben Königreiche* (Band 3)
Das Lied von Eis und Feuer – Die Saat des goldenen Löwen* (Band 4)
Das Lied von Eis und Feuer – Die Königin der Drachen* (Band 6)
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Dieses Hörbuch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar von RandomHouse Audio zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

