Was wir wissen können

Das Hörbuchcover von "Was wir wissen können"
Bild von Diogenes Verlag

Der Inhalt

Sprachwissenschaftler Tom begibt sich auf Spurensuche. Er möchte erforschen was mit dem Sonettenkranz passiert ist, den der Dichter Frances Blundy seiner Frau Vivien zum Geburtstag schenkte. Das Dokument ist vor vielen Jahren spurlos verschwunden, Frances und Viven schon längst verstorben.

Während er sich in seiner Suche verliert scheint er das Leben von Frances und Vivien fast besser zu kennen als sein eigenes.

Diese Handlung bereitete mir große Mühe. Ich konnte nachvollziehen, welches Thema Ian McEwan hier aufbereiten möchte. Allerdings hatte ich mit der Umsetzung große Probleme.

Die Handlung spielt in der Zukunft. Dennoch würde ich Was wir wissen können nicht als Dystopie bezeichnen, weil kein System umgekrempelt wird. Allerdings befinden wir uns in einer recht düsteren Variante unserer Zukunft. Unsere Figuren spüren die Folgen des Klimawandels, sind zwar durch ihre Arbeit an der Universität gesellschaftlich angesehen, leben aber dennoch in Armut.

Dass Tom Viviens und Frances Leben so detailliert zurückverfolgen kann, liegt vor allem daran, dass sämtliche Daten über die beiden gespeichert wurden. Alte Briefe, E-Mails, Chatverläufe, eben alles, was es an Kommunikation zu geben scheint. Alle Inhalte sind in Kisten in einem öffentlich zugänglichen Archiv ordentlich sortiert. Dennoch scheint Tom sich in seiner Recherche zu verlieren, weil es einfach keine Spur gibt, die ihm zum Sonettenkranz führen könnte. Als er kurz davor ist aufzugeben, entdeckt er einen wichtigen Hinweis.

Die Handlung wird aus zwei Perspektiven erzählt. Ich hätte mir gewünscht, dass beide Perspektiven ausgeglichen vertreten sind. Ich hatte den Eindruck, dass sich Ian McEwan in detaillierten Beschreibungen verliert und gefühlt sehr viel Inhalt wiederholt wird. Mir fehlte aktive Handlung.

Womit mich Ian McEwan zum Schluss doch noch überraschen konnte, war das unerwartete Ende. Der Weg bis dahin war mir jedoch viel zu lang, sodass das Ende nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass mir der Inhalt nicht gefallen hat.

Die Figuren

Tom ist ein Wissenschaftler wie er im Buche steht. Er liebt seine Arbeit, verliert dabei aber die Menschen, die er liebt, aus den Augen und scheint aus meiner Sicht auch Mühe mit der zwischenmenschlichen Kommunikation zu haben. Nach und nach wurde er mir als Figur unsympathischer. Die Frage was mit dem Sonettenkranz passiert sei, interessierte mich am Anfang noch, ging mir irgendwann aber auch auf die Nerven.

Spannend fand ich, dass wir Vivien fast ausschließlich aus Toms Perspektive erleben und uns nur aufgrund von Toms Recherchen ein Bild von ihr machen können. In ihrem Leben scheint es immer wieder Brüche zu geben, die für Tom nicht immer nachvollziehbar sind. Vivien musste ihre akademische Karriere aufgeben, obwohl sie ebenso viel Talent mitbrachte wie ihr Mann. Was machte sie als Sprachwissenschaftlerin aus? Hatte sie es jemals geschafft aus dem Schatten ihres Mannes zu treten?

Mir waren die Figuren insgesamt zu eindimensional und zu passiv. Sie reagierten für mich auf die Handlung, entwickelten sich aber nicht spürbar weiter.

Die Hörbuchgestaltung

Das Hörbuch wurde ungekürzt und ausschließlich als Hörbuch-Download im Diogenes Verlag produziert. Ich wurde vor allem deswegen neugierig auf das Hörbuch, weil neben Johann von Bülow auch Eva Mattes zu hören war und ich schon länger kein Hörbuch mehr gehört habe, das von ihr gelesen wird.

Aufgrund der Erzählstruktur war es aber so, dass wir Eva Mattes nur in einer sehr kleinen Rolle hören, die zu 90% leider eine Wiederholung des vorherigen Inhaltes war, was ich sehr schade fand.

Johann von Bülow hat Tom als Figur wirklich stimmig transportiert. Zum einen hat er ihn sehr rational und sachlich gelesen, was Toms Art zu Denken sehr verdeutlichte. Zum anderen schaffte er es, stimmlich herauszuarbeiten, was Tom in der Kommunikation mit anderen Figuren entging und das obwohl wir uns ja in Toms Perspektive befinden.

Der Schreibstil

Ian McEwans Schreibstil ist genau die Art von Stil, die ich mit den Titeln verbinde, die im Diogenes Verlag erscheinen. Ich hatte den Eindruck, dass er den Schwerpunkt vor allem auf die Sprache, aber weniger auf die aktive Handlung legt, was mir etwas gefehlt hat.

Der Großteil der Handlung wird aus Toms Perspektive erzählt. Ian McEwans Schreibstil ist also sehr sachlich, distanziert was zwar gut zu Tom als Figur passt, mir aber irgendwann zu langweilig wurde, weil mir die Verbindung aus Inhalt und schöner Sprache komplett gefehlt hat.

Gesamteindruck

Das Thema von Was wir wissen können, nämlich die Frage nach der Datenspeicherung und wie wir ihr entgehen können, fand ich spannend, jedoch lag mir Ian McEwans Umsetzung leider nicht, weil mir die Handlung zu wenig vorankam und ich den Eindruck hatte, dass ein Großteil der Handlung passiv erzählt wird.

Infos zum Hörbuch

Was wir wissen können
Geschrieben von: Ian McEwan
Gelesen von: Johann von Bülow und Eva Mattes
Bewertung: 2 von 5 Herzen

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.

Hier findet ihr mehr Infos über Ian McEwan.

Hier findet ihr mehr Infos über Johann von Bülow und Eva Mattes.

 

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