Ich schreib dir morgen wieder

Das Hörbuchcover von "Ich schreib dir morgen wieder"
Bild von Argon Verlag

Der Inhalt

Nach dem Suizid ihres Vaters zieht Tamara mit ihrer Mutter zu ihrem Onkel und seiner Frau aufs Land, sie hat Mühe sich einzuleben, nicht nur, weil sie um ihren Vater trauert, sondern auch, weil mit dem Tod ihres Vaters ihr bisheriges Leben endete: Ein Leben in Luxus.

Als sie ein Tagebuch findet und am Abend den ersten Eintrag hineinschreiben möchte, ist sie verwundert: Der Eintrag ist bereits geschrieben aber mit einem falschen Datum. Tamara beschließt sich die Einträge der Tamara aus der Zukunft einmal genauer anzuschauen.

Die Themen in der Handlung waren für mich klar: Zum einen geht es um Suizid und Trauerarbeit, zum anderen auch um einen Neuanfang. Tamara wird in ihrem neuen Zuhause schnell klar, dass ihr etwas verheimlicht wird. Also begibt sie sich auf Spurensuche. Dadurch sorgte Cecilia Ahern für einen Spannungsbogen, weil ich natürlich wissen wollte, ob an Tamaras Theorie etwas dran ist.

Die Handlung erinnerte mich sehr an ein klassisches Jugendhörbuch, allerdings mit einer Spur magischem Realismus: Tamara ist mit ihrem Leben aus vielen Gründen unzufrieden und ist sehr auf sich fixiert. Als sie das Tagebuch findet bekommt die Handlung einen kleinen fantastischen Anteil was ich ziemlich spannend fand. Cecilia Ahern erklärt nämlich an keiner Stelle woher das Tagebuch kommt und was es mit dem Tagebuch auf sich hat. Genau diese Informationen haben mir aber auch überhaupt nicht gefehlt, weil sie für mich nicht wichtig für die Handlung schienen.

Cecilia Ahern erzählt hier eine runde in sich stimmige Handlung. Als es in Richtung Finale geht und viele Handlungsstränge aufgelöst wurden, wurde mir inhaltlich etwas zu viel erklärt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass mehr Zeit bleibt die Handlung gemeinsam mit den Figuren zu erleben.

An sich ist das aber auch Jammern auf sehr hohem Niveau, weil das Hörbuch zu einer Zeit produziert wurde in der gekürzte Hörbuch-Ausgaben noch relativ weit verbreitet waren.

Die Figuren

Mit Ich-Erzählerin Tamara lernen wir eine junge Frau kennen, die genau weiß, was sie will. Bisher wusste sie auch welche Strategien sie anwenden muss um an ihr Ziel zu kommen. Durch den Umzug zu ihren Verwandten muss sie sich nicht nur in einer neuen Welt zurechtfinden, sondern erkennt auch, dass ihre bisherigen Strategien hier nicht viel nützen.

Cecilia Ahern hat Tamaras Entwicklung leise und für mich nachvollziehbar herausgearbeitet. Nach und nach beginnt sie über sich und die Menschen in ihrer Umgebung nachzudenken und nicht mehr darauf zu warten, dass sich etwas an ihrer Situation verändert. Stattdessen wird sie selbst aktiv.

Was mir bei den Romanen von Cecilia Ahern bisher noch nie so aufgefallen ist wie in Ich schreib dir morgen wieder waren die Nebenfiguren unterschiedlichen Alters, die dennoch eines gemeinsam haben: Die meisten von ihnen versuchen Tamara das Ankommen auf dem Land zu erleichtern. Wir haben zum einen Schwester Ignatius, die mehr über Tamaras Eltern weiß, als sie zunächst zugeben möchte. Zum anderen lernt Tamara nach und nach auch Leute in ihrem Alter kennen, die sie verstehen und ihr helfen wollen.

Obwohl sich viele Figuren nur durch eine Eigenschaft auszeichneten, sorgte das bei mir dennoch dafür, dass ich sie mir vorstellen konnte und teilweise das Gefühl hatte mittendrin in der Geschichte zu sein. Cecilia Ahern hat hier eine tolle Figuren-Besetzung geschaffen mit denen ich gern noch mehr Zeit verbracht hätte.

Die Hörbuchgestaltung

Das Hörbuch wurde gekürzt im Argon Verlag produziert und, vielleicht mag es Einbildung sein, aber ich glaube, dass ich hier viele Kürzungen herausgehört habe. Es gab viele Szenen, die für mich abrupt endeten. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass die Handlung im Schnelldurchlauf erzählt wird und sich manche Figuren erstaunlich schnell entwickeln.

Ein Nebeneffekt war auch die Wahl des Titels. Die Formulierung Ich schreib dir morgen wieder kam kein einziges Mal im Hörbuch vor. Entweder lag es an der Übersetzung oder tatsächlich an der gekürzten Hörbuch-Ausgabe. Trotz gekürzter Handlung wurden die wesentlichen Aspekte der Handlung stimmig herausgearbeitet, sodass die Handlung für mich rund war.

Das Hörbuch wurde von Josefine Preuß gelesen, die mit ihrer hellen Stimmfarbe perfekt zu diesem Jugendhörbuch passt. Durch ihre Betonung arbeitet sie Tamaras Entwicklung gekonnt heraus. Während sie zu Beginn noch überheblich klingt, wird ihre Betonung nach und nach weicher was zeigt, dass sich Tamara ihrem Umfeld gegenüber öffnet.

Auch den Nebenfiguren gibt sie eigene Stimmen was die Charaktereigenschaften für mich deutlich unterstrichen und dazu beitrugen, dass ich mir die Figuren bildhaft vorstellen konnte. So spricht Josefine Preuß Schwester Ignatius ein klein bisschen langsamer und auch mit einer leicht tieferen Stimmfarbe, was für mich andeutete, dass Schwester Ignatius schon etwas älter ist.

Der Schreibstil

Was mich an Cecilia Aherns Schreibstil fasziniert ist, dass sie in keinem Roman gleich klingt. Oft erlebe ich es so, dass Autor*innen bestimmte Lieblingsformulierungen oder Erzählmuster haben, die sich in vielen Romanen wiederfinden lassen. Den Jugendhörbuch-Schreibstil habe ich Cecilia Ahern voll abgenommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ihr die Ich-Perspektive als Erzählperspektive nicht fremd ist.

Tamara hat sie als Jugendliche wirklich gut getroffen. Schnell wird klar, dass wir eine jüngere Erzählerin vor uns haben, Cecilia Ahern verzichtet aber auf Jugendsprache, was dafür sorgt, dass der Schreibstil auf mich zeitlos wirkte. Tamara ist zudem als eine Mischung aus allwissender und personaler Erzählerin angelegt. Immer wieder bezieht sie sich in Nebensätzen darauf, dass sie bestimmte Entscheidungen anders getroffen hätte, wenn sie die Auswirkungen vorher gekannt hätte. Diese Mischung der zwei Erzählperspektiven ist Ceclia Ahern aus meiner Sicht gut gelungen.

Interessant fand ich hier die Mischung aus aktiver Handlung und der Tagebuch-Form, die für mich gut aufeinander abgestimmt wirkte.

Gesamteindruck

Ich schreib dir morgen wieder war für mich ein kurzweiliges, spannendes Jugendhörbuch mit tollen Figuren, ein bisschen fantastischem Flair und einer Handlung, die trotz gekürzter Hörbuchproduktion, Tiefe mit sich bringt. Gern hätte ich noch mehr Zeit mit Tamara verbracht, kann aber sagen, dass die Handlung ein für mich stimmiges, rundes Ende hat.

Infos zum Hörbuch

Ich schreib dir morgen wieder
Geschrieben von: Cecilia Ahern
Gelesen von: Josefine Preuß
Bewertung: 4 von 5 Herzen

Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.

Hier findet ihr mehr Infos über Cecilia Ahern.

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