
Der Inhalt
Hierbei handelt es sich um die Rezension des Folgebandes einer Reihe. Ich werde nicht inhaltlich zu diesem Band spoilern, setze das Wissen aus den vorherigen Bänden für meine Rezension aber voraus.
Es fällt mir schwer den Inhalt zusammenzufassen, weil durch die vielen Handlungsstränge in Das Lied von Eis und Feuer in jedem Band gefühlt immer sehr viel passiert.
Während schon seit einigen Bänden Krieg herrscht und gefühlt jede noch so kleine Lordschaft gegen eine andere Lordschaft kämpft, hatte ich den Eindruck, dass es in diesem Band nicht primär darum ging, von irgendwelchen Schlachten zu erzählen oder Figuren bestimmte Städte erobern zu lassen. Der Schwerpunkt lag aus meiner Sicht vor allem auf den Figuren.
Interessant finde ich, wie es George R. R. Martin immer mehr gelingt die Handlung zu verstricken und Figuren immer weiter weg von ihren ursprünglichen Zielen zu bringen – okay, zumindest einige von ihnen. Für einige Figuren gab es hier und da einen Hoffnungsschimmer, nur damit die Figuren kurz darauf noch mehr in den Konflikt geworfen werden. Entweder befinden sie sich im Konflikt mit sich selbst oder mit der Umwelt.
Der fünfte Band von Das Lied von Eis und Feuer trägt den Untertitel Sturm der Schwerter nicht umsonst. Das Schwert beeinflusst die Handlung. Mal im Kampf, mal als Geschenk oder als Werkzeug um eine Strafe auszuüben. Während ich das Hörbuch gehört habe, ist mir diese Parallele gar nicht aufgefallen, sondern erst, als ich noch einmal für diese Rezension über den Inhalt nachgedacht habe. Dass es George R. R. Martin geschafft hat, dem Schwert in den unterschiedlichen Perspektiven eine Bedeutung zu geben, finde ich ziemlich faszinierend.
Was mich langsam aber sicher mehr und mehr frustriert ist, dass ja nicht bekannt ist, wie die Reihe endet. Dennoch merke ich, dass ich inzwischen mitten im Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Fieber bin, weil ich unbedingt wissen will, was meine Lieblingsfiguren erleben und wie sie sich den Herausforderungen stellen.
Die Handlung erlebe ich vor allem als Figurengetrieben. Zwar werden die Figuren in Situationen hineingeworfen, in denen sie gezwungen sind zu reagieren, allerdings werden diese Momente meist durch die Handlung anderer Figuren bestimmt. Ich glaube, es ist keine Figur dabei, die ich als passiv erlebe.
George R. R. Martin lässt gefühlt jeden Band abrupt enden. Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum der Band ausgerechnet an dieser Stelle endet. Es ist nicht so, dass es einen Cliffhanger gibt, aber an sich ist auch kein Handlungsstrang abgeschlossen, sodass ich behaupten könnte, es handelt sich um ein rundes Ende.
Meistens hätte die Handlung aus meiner Sicht noch eine Weile so weitergehen können. Vielleicht liegt es daran, dass mir der rote Faden in der Handlung fehlt. Ich verstehe nicht alle Motive der Figuren, verliere den Überblick über die vielen Königshäuser und bleibe ausschließlich dabei, weil die Anzahl meiner Lieblingsfiguren stetig wächst.
Die Figuren
George R. R. Martin führt in diesem Hörbuch keine neuen Figuren ein, schenkt uns aber Kapitel aus den Perspektiven bereits bekannter Figuren und lässt dafür zwei Figuren weg, die ich aber auch nicht sonderlich vermisst habe.
Tyrion versucht seinen Platz am Hof von Kings Landing zu verteidigen. Das ist gar nicht mal so einfach. Schließlich muss er sich nicht nur gegen die Intrigen seiner Schwester wehren, sondern sich auch noch an die Vorgaben seines Vaters halten. Der scheint nicht viel von seinem Sohn zu halten, was mich ziemlich nervt.
George R. R. Martin arbeitet den Konflikt, in dem sich Tyrion befindet ziemlich gut heraus: Einerseits ist Tyrion sehr wohl bewusst, dass er niemals die Anerkennung seiner Familie bekommen wird, die er sich wünscht, andererseits schafft er es auch nicht, sich von seiner Familie zu lösen und irgendwo neu anzufangen, und ich bin mir sehr sicher, dass Tyrion es schaffen würde. Ich hoffe sehr, dass es Tyrion im Laufe der Reihe noch schafft, sich von seiner Familie zu trennen und stattdessen Leute um sich versammelt, die ihn nicht verraten.
Sehr gefreut habe ich mich, dass Sam, Jons Freund bei der Nachtwache, eine eigene Perspektive bekommen hat. Da Jon verschwunden ist, muss er sich bei der Nachtwache allein durchschlagen. Dort meinen es nicht alle gut mit ihm. Schließlich gibt es einige Jungen, die neidisch auf seinen Posten sind. Sam entwickelt sich aus meiner Sicht in sehr kleinen Schritten. Dennoch hat es mir große Freude gemacht ihn dabei zu begleiten. Ich bin wirklich gespannt wie es mit ihm im nächsten Band weitergeht.
Die Rollen von Arya Stark und Daenerys verstehe ich noch nicht ganz, weil ich noch nicht verstanden habe, wie die beiden Figuren die Handlung vorantreiben werden, weil sie vor allem im Kleinen agieren.
Arya ist auf den Weg zu ihrer Mutter. In einem Land, das sich im Krieg befindet und wo gefühlt an jeder Ecke irgendwelche Gruppen nur darauf warten, andere Umherreisende gefangen zu nehmen, scheint es ziemlich aussichtslos zu sein, dass sie ihr Ziel wirklich erreichen wird.
Daenerys ist die Frau mit den Drachen. Sie will den Thron zurückerobern, der ihrer Familie vor vielen Jahren genommen wurde. Ich weiß nicht ob es George R. R. Martin beabsichtigt hat, Daenerys ist mir unsympathisch. Während sich einige Figuren zum Positiven entwickeln, habe ich den Eindruck, dass sie von Band zu Band kühler und unnahbarer wird.
Allerdings hat sie es auch nicht einfach: Schließlich wurde sie von ihrem Bruder verkauft, ihr Mann starb und die meisten seiner Männer kehrten ihr den Rücken.
Was ich spannend finde ist, dass wir von Band zu Band immer mehr von Robb Stark mitbekommen. Er ist der älteste Sohn von Catelyn und Eddard Stark, der ermordet wurde. Während Robb in den ersten zwei Bänden für mich vor allem eine Nebenfigur war, erleben wir ihn in diesem Band viel aus der Perspektive von seiner Mutter Catelyn. Robb ist bemüht den Platz seines Vaters einzunehmen und ein guter Anführer zu sein. Er stellt aber fest, dass es alles andere als einfach ist. Um sich mit Königshäusern gutzustellen, muss er andere zwangsläufig enttäuschen.
Die Hörbuchgestaltung
Was mir nach wie vor sehr gut gefällt ist die Hörbuchgestaltung. RandomHouse Audio hat die Reihe nicht nur neu übersetzen, sondern auch komplett neu und ungekürzt produzieren lassen. Es gab eine limitierte CD-Ausgabe mit Fanartikeln. Die Bände sind aber auch alle ungekürzt als Hörbuch-Download erschienen. Bei mir sind die Hörbuch-Downloads eingezogen.
Stefan Kaminski ist als Sprecher wieder mit an Bord. Manchmal wüsste ich gern wie viele Stunden er gebraucht hat um die komplette Reihe einzusprechen und ob es nicht auch Momente gab, in denen er zur Abwechslung gern etwas anderes gelesen hätte. Was mir an seiner Interpretation sehr gefallen hat war, dass er diesmal nicht so leise gelesen hat, wie im vorherigen Band, der vor allem durch Kämpfe geprägt ist.
Interessant fand ich wie er Aryas Entwicklung herausarbeitet. Während er ihr in den ersten Bänden die Stimme eines trotzigen Mädchens gab, las er sie in den letzten Bänden vor allem leise und unterkühlt. In Sturm der Schwerter gab es einen Moment, in dem ich kurz das Gefühl hatte, die Arya aus dem ersten Band wieder zu hören. Sie trifft nämlich auf eine Figur, die viel Leid über ihre Familie gebracht hat.
Was mich beeindruckt ist Stefan Kaminskis Mischung aus Lesegeschwindigkeit, die zur Dynamik der Handlung beiträgt und seiner Betonung, welche die Atmosphäre der Szenen untermalt. Ich konnte in die Handlung eintauchen und hätte ihm gefühlt noch ein paar Stunden zuhören können.
Der Schreibstil
George R. R. Martins Schreibstil hat mir in diesem Band etwas Mühe bereitet. Ich mag es sehr wie er die Figuren beschreibt und sie in Konflikte wirft. Ich merke aber auch, wie mich bestimmte Aspekte an seinem Schreibstil nerven. An dieser Stelle möchte ich zwei Aspekte herausgreifen:
Tyrion wird von sämtlichen Figuren auf seine Körpergröße und sein Aussehen reduziert. Es ist völlig egal was er tut, es gibt immer eine Figur, die ihn letztendlich doch auf diese zwei Aspekte reduziert. Ich kann nachvollziehen, dass Menschen mit Behinderung in George R. R. Martins Welt nicht anerkannt sind. Allerdings wünsche ich mir, dass George R. R. Martin einmal einen Konflikt beschreibt, der nicht darauf hinausläuft, dass Tyrions Gegenüber an äußeren Merkmalen hängen bleibt, sondern inhaltlich diskutiert wird.
Der zweite Aspekt betrifft Sam, Jons Freund bei der Nachtwache. Er wird von Anfang an als dicker Junge beschrieben. Seit zwei Bänden ist Sam nun mit den Männern der Nachtwache in den Sieben Königslanden unterwegs. Sie bewegen sich viel und haben wenig Essen. Dennoch wird er immer wieder auf sein Gewicht angesprochen. Dabei müsste Sam inzwischen an Gewicht verloren haben. Anstatt das ihm George R. R. Martin einen Erfolg, nämlich körperliche Stärke, schenkt, bleibt Sam eben stereotypisch der dicke Junge.
Diese Reduzierung auf äußere Merkmale gehören natürlich einerseits zum Weltenbau, andererseits merke ich auch, dass sie mich nerven, weil sich an der Handlung gefühlt nichts verändert. Die Figuren werden nicht wirklich mutiger oder wachsen über sich hinaus, sondern müssen in jedem Band gegen die gleichen Vorurteile ankämpfen. Ich bin sehr gespannt, ob es im Laufe der Bände noch eine Entwicklung geben wird.
Gesamteindruck
Wer in der Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Reihe den Anspruch hat, den Überblick über die Königshäuser und die Beziehungen zueinander zu haben, wird sehr schnell verzweifeln, oder Reihenweise Stammbäume zeichnen.
Ich habe inzwischen aufgegeben einen Überblick zu behalten, sondern höre die Reihe lediglich um herauszufinden, wie es meinen Lieblingsfiguren ergeht. In Das Lied von Eis und Feuer – Sturm der Schwerter hatte ich den Eindruck, dass wichtige Weichen gestellt wurden, die sich auf die Folgebände auswirken werden.
Ich bin neugierig wie die Handlung weitergeht.
Infos zum Hörbuch
Das Lied von Eis und Feuer – Der Sturm der Schwerter
Geschrieben von: George R. R. Martin
Gelesen von: Stefan Kaminski
Bewertung: 4 von 5 Herzen
Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.
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Hier findet ihr mehr Infos über Stefan Kaminski.
Weitere Bände
Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell* (Band 1)
Das Lied von Eis und Feuer – Das Erbe von Winterfell* (Band 2)
Das Lied von Eis und Feuer – Der Thron der Sieben Königreiche* (Band 3)
Das Lied von Eis und Feuer – Die Saat des goldenen Löwen* (Band 4)
Zum Weiterlesen
Eine Inhaltsangabe des fünften Bandes findet ihr auf dieser Seite.
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Dieses Hörbuch sowie die mit * markierten Titel wurden mir kostenlos als Rezensionsexemplare von RandomHouse Audio zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

