
Der Inhalt
Hierbei handelt es sich um die Rezension zu einem Folgeband einer Reihe. Ich werde nicht inhaltlich zu diesem Band spoilern, setze das Wissen aus den vorherigen Bänden für meine Rezension aber voraus.
Diesmal begeben sich Ray, Rufus und Phil auf ein internationales Abenteuer. Sie werden damit beauftragt die Mordserie an russischen Oligarchen aufzuklären. An dieser Stelle befürchtete ich schon, dass sich Moritz Matthies mit einem aktuellen gesellschaftlichen Thema auseinandersetzen.
Zum Glück hat das Autorenduo eine spannende Wendung in den Fall eingebaut, mit der ich nicht gerechnet habe.
Was mir an diesem Band gut gefallen hat war die Mischung aus Spannung und Humor in der Handlung. Diesmal erwartet unsere Ermittlergruppe nicht nur ein Mord, sondern gleich eine ganze Mordserie. Als wäre das nicht genug, bittet sie Interpol um Hilfe. An dieser Stelle musste ich etwas schmunzeln, weil Moritz Matthies die Handlung hier überspitzen und genau das für den Humor sorgt, den ich mag.
Sehr lange haben die Erdmännchen-Brüder und Phil keine Ahnung, was es mit den Morden auf sich hat. Sie sind alle als Suizide getarnt, aber die Ermittler ahnen schnell, dass hier mehr als etwas faul ist. Als ihnen ein großer Stein in den Weg gerollt wird und man sie in ihren Ermittlungen ausbremst, befürchtete ich kurz, dass uns die Autoren mit einem Cliffhanger zurücklassen würden. Stattdessen brachten sie eine Wendung im großen Stil mit, die mich nicht nur gut unterhielt, sondern auch gleichzeitig Spannung mitbrachte.
Die Handlung ist solide. Lange bewegt sie sich auf der Stelle bevor die Handlung gegen Schluss nochmal ordentlich an Fahrt aufnimmt. Ein Krimi, der mir kurzweilige, spannende Unterhaltung beschert hat.
Die Figuren
Ray, Rufus und Phil haben wir in den vorherigen Bänden bereits kennengelernt und mit ihnen Höhen und Tiefen durchlebt. Diesmal hatte ich den Eindruck, dass ihre Figurenentwicklung etwas ausbleibt, was für mich aber kein Problem war.
Spannend fand ich, dass sich Draufgänger Ray zu Beginn der Handlung etwas mehr Beziehung und weniger Unverbindlichkeit wünscht. Gerade bei Ray, der in den vorherigen Bänden vor allem als Draufgänger bekannt war, der sich nicht binden, sondern in erster Linie sein Leben genießen wollte, fand ich das eine spannende Entwicklung. Allerdings wurde der Gedanke in der Handlung nicht weiter aufgegriffen. Ich bin gespannt, wie es im nächsten Band aussieht.
Rufus überzeugt wie immer mit seinem Einfallsreichtum und seiner Technik-Affinität. Hier zeigt Moritz Matthies wie gut sie innerhalb ihrer Welt denken können und wie hier nicht in Frage gestellt wird, dass Phil bei seinen Ermittlungen von zwei Erdmännchen unterstützt wird.
Phil hat seine Lebenskrise seit ein paar Bänden erfolgreich hinter sich gelassen und überzeugt vor allem mit seiner Gelassenheit, was angesichts der drohenden Gefahr nicht immer einfach aufrechtzuerhalten ist.
Moritz Matthies hat durch die vielen Nebenfiguren wie die Tiere im Wald oder Montgomery und andere Mitarbeitende von Interpol einen tollen Stamm an Nebenfiguren geschaffen auf deren Wiederhören ich mich immer wieder freue. Die Nebenfiguren zeichnen sich vor allem durch eine Eigenschaft aus, die mich bisher aber noch nicht langweilt.
Die Hörbuchgestaltung
Das Hörbuch ist ungekürzt sowohl als Hörbuch-CD als auch als Hörbuch-Download im Argon Verlag produziert worden. Was mich nach dem Erscheinungstermin kurz verunsicherte war, dass Boom. Boom, Babuschka nicht als Reihenfortsetzung gelistet war. Ich befürchtete kurz, dass es hier kein Wiederhören mit den Erdmännchen gibt und die Reihe beendet wurde, ohne, dass ich es mitbekommen habe. Von daher habe ich mich sehr gefreut, dass die Handlung an den vorherigen Band anknüpfte.
Christoph Maria Herbst ist als Sprecher wieder mit an Bord. Mit den Jahren hat er seine Interpretation der Handlung leicht verändert, was deutlich macht, dass sich die Hauptfiguren etwas weiterentwickelt haben, auch, wenn ihre Entwicklung nicht in jedem Band deutlich herausgearbeitet wird.
Herbst gibt Ich-Erzähler Ray inzwischen eine weichere Stimme, was zeigt, dass Ray damit beginnt über sein Leben zu reflektieren. Herbst liest Phil nicht mehr so verwaschen, was zeigt, dass Phil an vielen Tagen auch ohne Alkohol auskommt.
Beeindruckt hat mich Christoph Maria Herbst vor allem in einer Szene, als er während der Szene seine Lesegeschwindigkeit verändert. Es passiert alles Schlag auf Schlag. Erst als Ray benennt, dass alles wie in Zeitlupe an ihm vorbeizieht, verlangsamt Herbst auch seine Lesegeschwindigkeit, nur um einen Moment später wieder schnell zu lesen und uns somit zurück in die Szene zu werfen. Diesen Wechsel innerhalb einer Szene fand ich faszinierend und wirklich gut gelungen.
Der Schreibstil
Was ich von Moritz Matthies immer wieder lerne ist, wie Konflikte aufgelöst werden können und zwar auf eine schräge, teils lustige Weise. Toll finde ich, dass diese Auflösung an keiner Stelle in Frage gestellt werden. Genau das zeigt mir, wie durchdacht die Erdmännchen-Welt des Autorenduos inzwischen ist.
Es hat mich sehr gefreut, dass der Humor in diesem Band hauptsächlich aus Situationskomik bestand.
Gesamteindruck
Boom, Boom, Babuschka ist ein toller, nicht blutiger, Krimi für zwischendurch, der mir eine kurzweilige, teils sehr lustige, Hörbuchzeit beschert hat. Wenn ihr eine Hörbuchreihe mit tierischen Ermittlern sucht, kann ich euch die Ray-und-Rufus-Reihe nur empfehlen.
Ich bin sehr gespannt, welcher Fall im nächsten Band gelöst werden wird.
Infos zum Hörbuch
Boom, Boom, Babuschka
Geschrieben von: Moritz Matthies
Gelesen von: Christoph Maria Herbst
Bewertung: 3 von 5 Herzen
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