
Der Inhalt
Fynn hat ein Problem: Einer seiner Freunde, ein Zombie, ist verschwunden. Doch die Schulleiterin scheint sich nicht dafür zu interessieren. Er wird schon wieder auftauchen. Fynn hingegen macht sich Sorgen und begibt sich mit seiner Freundin Sinista auf Spurensuche.
Wieder einmal war ich beeindruckt von Vanessa Walders Art die Handlung innerhalb einer so kurzen Hörbuch-Laufzeit zu erzählen. Wir werden wieder direkt in die Handlung geworfen, bekommen Szenen mit vielen Konflikten, die sich nicht immer so leicht auflösen lassen und erleben auch eine Konfliktsteigerung in der Handlung.
Während im ersten Band vor allem Fynns Ankommen in Nightmore im Vordergrund stand, wird in diesem Band deutlich, dass er sich gut eingelebt hat, weiß wie es in Nightmore läuft und auf wen er sich verlassen kann. Sehr gut gefallen hat mir, dass der Schwerpunkt der Handlung auf dem Thema Freundschaft lag. Wie weit würdest du gehen, um Freund*innen zu helfen? Fynn denkt nicht groß über die Antwort nach. Er stürzt sich direkt ins Abenteuer und gibt sich erst zufrieden, als er seinen Freund gefunden hat.
Auch im zweiten Band der Nightmore-Reihe präsentiert uns Vanessa Walder eine in sich abgeschlossene Handlung. Wir werden nicht mit fiesen Cliffhangern zurückgelassen, sondern können uns jederzeit überlegen, ob wir auf den nächsten Band warten wollen, oder weiterziehen werden. Ich bin definitiv für Ersteres.
Die Figuren
In Kinderhörbüchern ist es mit der Figurenentwicklung immer eine schwierige Sache, weil der Schwerpunkt von Kinderhörbüchern vor allem auf der Handlung, aber weniger auf der Entwicklung der Figuren liegt. Vanessa Walder ist die erste Autorin seit Langem, die für mich beides miteinander vereint, auch wenn die Figurenentwicklung hier etwas leiser passiert.
Fynn setzt hier wieder einmal seinen Mut unter Beweis und zeigt, wie viel ihm die neu gewonnenen Freundschaften bedeuten.
Auch Sinista, von der ich mir im ersten Band nicht ganz sicher war, ob sie Fynn irgendwann in den Rücken fallen wird, stellt hier klar, dass sie Fynn definitiv als Freund bezeichnet und auch mit anderen Wesen aus ihrer Klasse gut klarkommt.
Die Hörbuchgestaltung
Das Hörbuch wurde ungekürzt ausschließlich als Hörbuch-Download im JUMBO Verlag produziert, der zur Edel & Entertainment Music gehört. Etwas schade finde ich es schon, dass der Titel nicht mehr als Hörbuch-CD erschienen ist. Die Entscheidung kann ich aber gut nachvollziehen, da immer weniger Familien über ein Abspielgerät verfügen.
Julian Greis ist als Sprecher wieder mit dabei und ich mag seine Interpretation des Hörbuches einfach sehr. Mit seiner hellen Stimmfarbe passt er perfekt zu dieser Kinderhörbuchreihe. Er hat eine vergleichsweise langsame Lesegeschwindigkeit, die aber dafür sorgt, dass man die Handlung gut aufnehmen kann und keine Informationen verloren gehen. Seine Betonung setzt er gezielt und sehr schlicht ein. So wird seine Stimme am Ende der Sätze ein bisschen tiefer. Dadurch fällt auf, dass nun ein neuer Satz beginnt.
Was seine Interpretation von Nightmore – Das gruseligste Internat der Welt für mich einzigartig macht ist, dass er jeder Figur eine eigene Stimme gibt und Fynn der Einzige ist, der fast etwas normal klingt, auch wenn er eigentlich ein Werwolf ist. Fynns Freundin Sinista liest Greis mit einer tiefen Stimmfarbe, was mir sehr gefällt, weil sie so nicht wie ein typisches Mädchen wirkt und dadurch gezeigt wird, dass Mädchen in Kinderhörbüchern nicht nur lieb, sondern auch frech und mutig sein können.
Beeindruckt bin ich davon, wie Greis den Zombie stimmlich darstellt und zwar so, dass ich es gar nicht beschreiben kann. Seine Stimme klingt wackelig, aber nicht zittrig und das passt ziemlich gut zu dieser Figur, weil der Zombie immer mal wieder ein Körperteil verliert.
Nun kommen wir zu dem Moment, der mich etwas verwirrt zurücklässt: Schon in der vorherigen Rezension habe ich erwähnt, dass der JUMBO Verlag Geräusche im Hörbuch unterbringt. So wird Fynn beispielsweise am Anfang der Handlung in einen Kerker eingeschlossen. An dieser Stelle ist das Zufallen einer quietschenden Gittertür zu hören. Wenn die allwissende Erzählperson einen kleinen Wissensteil über Rechtschreibung in die Handlung einwirft, gibt es ein Geräusch, das so klingt, als würde jemand eine Kassette pausieren, ein Geräusch, bei dem wahrscheinlich vor allem die Erwachsenen unter euch schmunzeln werden, weil wir das Geräusch noch zuordnen können.
Kurzum: Ich war überzeugt, dass es sich bei dem Medium um ein Hörbuch handelt, das wahrscheinlich unter dem Begriff Szenische Lesung läuft, weil es eben dezent Geräusche gibt. Als ich beim Verlag nachgefragt habe, erfuhr ich, dass der Titel auch als Hörspiel gelistet ist. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass in einem Hörspiel mehr Geräusche und auch verschiedene Sprechende zu hören sein müssen.
Da die Reihe in meiner Lieblingsbuchhandlung auch als Hörbuch gelistet ist, bleibe ich bei der Eingruppierung, weil ich glaube, dass es sonst zu verwirrend werden könnte.
Der Schreibstil
Vanessa Walder hat einen sehr bildhaften Schreibstil, der mich direkt mit in die Nightmore Academy nimmt und mir das Gefühl gibt, Teil der Handlung zu sein. Sie schreibt verhältnismäßig kurze Sätze, die aber dafür sorgen, dass jüngere Hörende den Überblick über die Handlung nicht verlieren und trotzdem am Ball bleiben.
was die Erzählperspektive betrifft hat sie eine Mischung aus einer allwissenden und einer personalen Erzählperson, eine Perspektive, die gerade im Kinderhörbuch sehr oft angewandt wird. Den Großteil der Handlung erleben wir aus Fynns Perspektive. Dann hören wir aber auch immer wieder die allwissende Erzählperson, die mehr über die Handlung weiß, als wir. Übrigens: Im Printbuch sind diese Passagen auch in einer anderen Schriftart und ichglaube auch einer anderen Schriftfarbe dargestellt.
Was Vanessa Walder aus meiner Sicht sehr gut kann ist die Mischung aus gruseliger, schauriger, aber auch nicht-bedrohlicher Atmosphäre. Wir erleben mit Fynn und seinen Freunden ein Abenteuer, aber ohne Albtraum-Faktor. Dennoch wird das Grusel-Feeling dadurch nicht abgeschwächt.
Gesamteindruck
Nightmore – Das gruseligste Internat der Welt: Zombie gesucht erzählt ein kurzweiliges Abenteuer über Freundschaft und Zusammenhalt, zwei Themen, die gerade für Kinder nicht wichtiger sein können. Während wir im ersten Band die Welt von Nightmore kennengelernt haben, waren wir diesmal in einem schaurigen Abenteuer, das mich gut unterhalten hat.
Durch die Hörbuchgestaltung ist diese Reihe für mich auch ein Mehrwert gegenüber der Printausgabe, weil Julian Greis den Figuren eigene Stimmen gibt und die Gestaltung durch die dezent platzierten Geräusche rund wirkt.
Infos zum Hörbuch
Nightmore – Das gruseligste Internat der Welt: Zombie gesucht (Band 2)
Geschrieben von: Vanessa Walder
Gelesen von: Julian Greis
Bewertung: 5 von 5 Herzen
Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.
Hier findet ihr mehr Infos über Vanessa Walder.
Hier findet ihr mehr Infos über Julian Greis.
Weitere Bände
Nightmore – Das gruseligste Internat der Welt: Plötzlich Werwolf* (Band 1)
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Dieses Hörbuch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar von JUMBO Verlag einem Label von Edel Music Entertainment zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

