Schiffe versenken

Das Hörbuchcover von "Schiffe versenken" dem achten Band der Ray-und-Rufus-Reihe.
Bild von Argon Verlag

Der Inhalt

Eigentlich wollte Phil keinen weiteren Kriminalfall annehmen. Er liebt sein neues Leben mit seiner Familie und der Arbeit bei einer Sicherheitsfirma. Eines Tages verschwindet aber ein ehemaliger Kollege von ihm und er will wissen, was mit ihm passiert ist.

In den letzten zwei Bänden hat mir Phil sehr gefehlt. Deswegen war ich sehr froh, dass Moritz Matthies dafür gesorgt haben, dass die Erdmännchen Ray und Rufus wieder auf Phil getroffen sind.

Bei Schiffe versenken handelt es sich fast um einen klassischen Erdmännchen-Band. Nur, dass wir diesmal nicht auf dem Land, sondern auf hoher See ermitteln. Hinzu kommt auch, dass Ray und Rufus von ihrem Clan getrennt sind. Damit haben wir, im Vergleich zu den anderen Bänden, keinen zweiten Handlungsstrang, der uns von dem Clanleben erzählt.

Das Interessante war, dass mir dieser zweite Handlungsstrang überhaupt nicht gefehlt hat, sondern mir erst beim Schreiben der Rezension auffällt, dass es ihn nicht gab.

Was mich sehr gefreut hat war, dass ich in diesem Hörbuch eine Drehbuch-Regel gefunden habe, die uns einen Hinweis auf die Wendung in der Handlung verrät. Ich kann euch die Regel leider nicht wörtlich zitieren, sie geht aber in etwa so: Beschreibe niemals einen Revolver, wenn er nicht benutzt wird. So bauten Moritz Matthies eine wichtige Info gleich zu Beginn der Handlung ein, die ich ihnen nicht so recht abnehmen wollte.

Moritz Matthies glänzten wieder mit jeder Menge Humor in der Handlung. So wurden einige Mitarbeitende bei der Polizei, das Kreuzfahrtschiff als Handlungsort, insbesondere seine Passagiere, teilweise etwas überspitzt dargestellt, jedoch ohne zu verletzen. Humor ist wirklich eine knifflige Sache, diesmal hingegen hatte ich den Eindruck, dass sich Moritz Matthies auf sicheren Gewässern befinden. ,

Kurzum: Moritz Matthies erzählen hier eine schlüssige, kurzweilige Handlung, die uns wieder in das Genre Cosy Crime entführt. Es gibt zwar gefährliche Momente, aber kein spritzendes Blut und somit, zumindest, wenn es nach mir geht, auch kein Potenzial für Albträume.

Die Figuren

Was die Figurenentwicklung betrifft, bin ich in diesem Band etwas unschlüssig. Einerseits hatte ich darauf gehofft, dass sich die Hauptfiguren wieder etwas weiterentwickeln, andererseits hat mir das Hörbuch und auch die Interaktion von Ray, Rufus und Phil sehr gut gefallen.

Für Ray und Rufus scheint es kein Problem zu sein, ihren Clan eine Zeit lang alleinzulassen, um mit Phil auf Verbrechendenjagd zu gehen. Von Ray hätte ich auch nichts anderes erwartet. Überrascht war ich hingegen schon, dass auch Rufus offen für ein neues Abenteuer ist.

Was mir sehr viel Spaß gemacht hat war das Team in der Handlung zu erleben. Es war für mich fast ein bisschen, wie nach Hause zu kommen. Schnell wurde klar, dass Ray, Rufus und Phil schon viel miteinander erlebt haben und sie sich vertrauen. Kein Eis musste gebrochen, nur eben an einer Taktik gefeilt werden. Hier konnte jeder seine Stärken an der richtigen Stelle einbringen.

Gerade die Nebenfiguren haben mir sehr gut gefallen. Sie haben für Dynamik in der Handlung gesorgt und mich ab und an auch zweifeln lassen, ob wir ihnen wirklich trauen können. Etwas traurig bin ich schon, dass wir die meisten Nebenfiguren auf dem Kreuzfahrtschiff zurücklassen mussten.

Die Hörbuchgestaltung

Das Hörbuch wurde ungekürzt im Argon Verlag produziert. Ich bin wirklich gespannt, ob es jemals einen Schuber von dieser Reihe geben wird, falls sie irgendwann endet. Wobei ich mir ein Ende noch gar nicht vorstellen mag.

Es liest Christoph Maria Herbst, der in diesem Hörbuch vor allem mit dem Stilmittel der Dialekte gearbeitet hat. Gerade das hat mich oft schmunzeln lassen. Interessant fand ich, wie er seine Interpretation von Phil verändert hat. Während er ihn in den ersten Bänden vor allem lallend gelesen hat, klang er in diesem Band etwas nasal und trotzdem klar und aufmerksam. Christoph Maria Herbst setzte damit Phils Charakterentwicklung stimmlich um.

Der Schreibstil

Was den Schreibstil betrifft, hatte ich den Eindruck, dass Moritz Matthies literarisch wieder nach Hause gekommen sind. Wir haben einen Kriminalfall, Situationskomik, zu meinem Glück relativ wenig zweideutige Witze und kaum Gesellschaftskritik.

Auch wenn ich die gesellschaftskritische Seite des Autorenduos spannend fand, war ich froh, hier wieder einen klassischen Cosy Crime Titel zu hören.

Nach wie vor bin ich ein großer Fan der Situationskomik von Moritz Matthies: Sie bauen diese nicht durch zweideutige Witze auf, sondern vor allem dadurch, dass sie die Figuren in scheinbar alltägliche Situationen werfen und nur kleine Details ändern. Das sorgt bei mir für eine schräge Wendung, die wieder lustig ist.

Gesamteindruck

Es ist wieder soweit: Ich habe mit Schiffe versenken einen Band der Erdmännchen-Reihe beendet, der mir kurzweilige und sehr unterhaltsame Hörstunden geliefert hat.

Dennoch habe ich den Eindruck, dass mir die Worte fehlen, um euch neugierig auf diesen Band zu machen. Ein großer Vorteil dieser Reihe ist, dass die Bände eine in sich abgeschlossene Handlung erzählen. Dennoch würde ich euch nicht empfehlen mit diesem Band einzusteigen, weil es trotz vertrautem Setting Figuren aus dem Alltag der Erdmännchen-Brüder gibt, die hier fehlen.

Wenn ihr eine Krimireihe mit wenig Blut und viel Humor sucht, hört unbedingt mal in diese Hörbuchreihe rein.

Infos zum Hörbuch

Schiffe versenken (Band 8) 
Geschrieben von: Moritz Matthies
Gelesen von: Christoph Maria Herbst
Bewertung: 4 von 5 Herzen

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Hier findet ihr mehr Infos über Moritz Matthies.

Hier findet ihr mehr Infos über Christoph Maria Herbst.

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