
Der Inhalt
In den Sieben Königslanden herrscht Krieg. Egal ob große Familien oder kleine Lordschaften, inzwischen habe ich den Eindruck jede Familie hat es auf den Thron abgesehen.
Mittendrin unsere bekannten Figuren: Cathelyn Stark, die versucht zwischen Parteien zu vermitteln, selbstverständlich zum Wohl ihres Sohnes Robb, der nicht nur Winterfell, sondern ein größeres Gebiet verteidigt.
Tyrion, die rechte Hand von König Goffrey, der noch ein Kind ist und genauso agiert, steht zwischen den Stühlen: Zum einen muss er die Position seiner Familie behaupten und zum anderen sehnt er sich nach Anerkennung vor allem von seiner Familie, auch wenn er es nie offen zugeben würde.
Sansa hofft Kings Landing sobald wie möglich verlassen zu können. König Goffrey hat aber kein Interesse daran sie gehen zu lassen. Nur seine Leibwache, der nur von allen Bluthund genannt wird, scheint sie zu beschützen. Auch wenn seine raue Art befremdlich wirkt.
Arya hat nur ein Ziel: Sich aus der Gefangenschaft zu befreien und ihre Freunde, einen Schmied, dessen Namen mir entfallen ist und Hot Pie mit nach Winterfell zu nehmen, koste es was es wolle.
Bram, der Älteste der Familie Stark, der noch in Winterfell geblieben ist, hält währenddessen die Stellung. Das ist alles andere als einfach. Schließlich beherbergen sie gleichaltrige Jungen, die Bram keinesfalls als Oberhaupt ernstnehmen. Hinzu kommt auch, dass er viel lieber in Gestalt eines Wolfes durch die Wälder streifen möchte, weil ihm das die Freiheit ermöglicht, die er in Menschengestalt nicht hat.
Daenerys hingegen, die sich noch auf einem anderen Kontinent befindet, hat nur ein Ziel: Sie möchte Westeros zurückerobern. Durch die Drachen, die ihr zur Seite stehen, schätzt sie ihre Chancen auch gut ein, jedoch wünscht sie sich weitere Verbündete. Als diese in weiter Ferne scheinen bietet sich ihr eine ungeahnte Möglichkeit.
Es ist wieder soweit: Ich hatte den Eindruck komplett den Überblick über die Handlung verloren zu haben. Obwohl ich mir die unten verlinkte Zusammenfassung durchgelesen habe, habe ich nicht verstanden, welches Königshaus jetzt auf wessen Seite steht und wer eigentlich nur zur Unterstützung in den Krieg gezogen ist und wer den Thron wirklich für sich haben möchte. Das Interessante an der Handlung finde ich, dass es mir wie eine endlose Version von Red Rising vorkommt. Viele Figuren handeln taktisch, nicht in alle Pläne sind wir Hörenden eingeweiht.
Jetzt kommen wir zum wesentlichen Unterschied: Während sich bei Red Rising, zumindest im ersten Band, die Handlung entwirrt, habe ich den Eindruck George R. R. Martin führt seine Figuren immer weiter in einen Irrgarten hinein und das Schlimme ist, dass ich jetzt schon weiß, dass die Figuren vorerst nicht wieder hinausfinden werden.
Ich hätte mir inhaltlich gewünscht, dass sich mehr Handlungsstränge aufklären und ich nicht am Ende eine Zusammenfassung lesen muss, um den Überblick über das Gehörte zurückzugewinnen. Etwas schade finde ich, dass die Handlung mit so viel Gewalt einhergeht. Kriege sind nicht friedlich, jedoch hätten den Figuren länger anhaltende Ruhephasen sicher gutgetan.
Zudem habe ich immer noch Mühe die Welt um die Sieben Königslande zu begreifen, weil ich immer noch nicht verstanden habe, wann wir uns in einzelnen Ländern und wann wir uns auf anderen Kontinenten befinden. Nennt mich unaufmerksam, aber vielleicht ist es auch einfach schlecht erklärt.
Die Figuren
Was mir an der Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Reihe so gut gefällt sind die Figuren und wie wir von Band zu Band mehr über sie erfahren. An dieser Stelle gehe ich nur auf die Figuren ein, deren Entwicklung mich am meisten beeindruckt hat, bzw. denen ich am liebsten gefolgt bin:
Während Arya in den vergangenen Bänden vor allem sehr rebellisch war, lernen wir sie hier als Mädchen kennen, das bemüht darum ist, nicht aufzufallen. Denn aufzufallen bedeutet Gefahr, die sie nur bedingt einschätzen oder kontrollieren kann. Immer wieder sucht sie Schlupflöcher um sich mit ihren Freunden austauschen zu können. Gerade mit Hot Pie hat sie einen schüchternen aber treuen Gefährten an ihrer Seite. Arya kommt in diesem Band mit Magie in Berührung, einer Magie, die sie neugierig macht und deren Umgang sie gern lernen möchte. Ich bin sehr gespannt, ob es in den Folgebänden dazu kommt.
Während ich am Ende von Band 3 wirklich mit Bram gelitten habe, weil ich mir einen Empowerment-Moment für ihn gewünscht habe und hoffte, er würde Winterfell verlassen um die Welt draußen zu erkunden, sieht er sich in diesem Band großen Herausforderungen konfrontiert. George R. R. Martin hat es wirklich spannend gemacht und mich für einige Zeit sehr zweifelnd zurückgelassen. Mit den Geschwistern Reet, die eng mit dem Wald verbunden sind, Oscha und Hodor sowie den Schattenwölfen hat er eine tolle Gruppe beisammen und ich bin wirklich neugierig, was sie in den Folgebänden erleben werden.
Jon ist endlich bei der Nachtwache angekommen und gemeinsam mit seinem Freund Sam und einigen erfahrenen Männern der Nachtwache unterwegs in unbekanntes Gebiet. Jon muss lernen zu vertrauen und steht zudem vor wichtigen Entscheidungen. Ich war etwas traurig, dass die Kapitel, die von ihm erzählen, in diesem Band recht kurz waren.
Einer meiner Lieblingsfiguren ist nach wie vor Tyrion, auch wenn er vielen Figuren nicht offen gegenübersteht. George R. R. Martin arbeitet deutlich heraus, dass es egal ist, was er kann, er wird nur von wenigen Menschen, insbesondere von seiner Familie, wahrgenommen. Gerade deswegen wünsche ich mir, dass ihm George R. R. Martin nicht nur eine Prostituierte, sondern auch weitere Gefährten an die Seite stellt und er lernt, was Freundschaft bedeutet.
Mit Daenerys hat George R. R. Martin eine Figur erschaffen, die anders sozialisiert ist als die bisher genannten Figuren. Das zeigt sich zum einen in ihrer Sprache, aber auch in ihrer Rolle. Sie führt zwar das Volk ihres verstorbenen Mannes an, muss sich aber immer wieder behaupten. Sie ist ebenfalls eine der wenigen Figuren, die mit Magie zu tun hat. Da ich nicht zu den Drachen-Fangirls gehöre, müssten es für mich nicht zwingend Drachen sein, die sie mit in die Sieben Königslande bringt. Ich bin gespannt, wer von den anderen Figuren es mit den Drachen aufnehmen wird.
Auch in diesem Band führt George R. R. Martin neue Figuren ein, von denen ich mir nicht sicher bin, welche Bedeutung sie für die gesamte Handlung haben werden. Sind es lediglich Nebenfiguren? Oder werden sie eine größere Rolle einnehmen? Ich bin froh, dass es nur wenige neue Figuren in diesem Band gab, sodass ich sie leicht zuordnen konnte.
Die Hörbuchgestaltung
RandomHouse Audio hat die Reihe komplett neu übersetzen und auch neu und ungekürzt als Hörbuch produzieren lassen. Es gibt eine limitierte CD-Box mit Fanartikeln, wobei ich nicht weiß, ob es noch Exemplare im Buchhandel gibt. Die Reihe ist aber auch ungekürzt als Hörbuch-Download erschienen und in allen Shops sowie Hörbuch-Streaming-Diensten verfügbar.
Stefan Kaminskis Interpretation hat sich in diesem Band verändert, was damit zusammenhängt, dass die Handlung düsterer wird. Was mir vor allem aufgefallen ist war, wie er seine Interpretation von Arya verändert hat. Während er sie in den ersten Bänden laut gelesen hat, aber ohne zu schreien, gab er ihr hier eine dünnere Stimme, selbst als sie wieder Oberhand gewinnt.
Interessant ist auch, wie viele Figuren Kaminski in diesem Band flüstern lässt. Mal ist es gut umgesetzt, mal war es mir zu leise, sodass ich froh war das Hörbuch nicht während der Bahnfahrten zur Arbeit zu hören, weil ich dann wahrscheinlich viel mit dem Lautstärkeregeler beschäftigt gewesen wäre.
Dennoch: Mit ein Grund warum ich die Reihe nicht abgebrochen habe ist Stefan Kaminskis Interpretation. Es macht mir großen Spaß mit ihm die Reihe zu entdecken und herauszufinden wie er neue Figuren oder Konflikte in der Handlung interpretiert. Immer wieder bin ich aufs Neue überrascht, dass er immer noch neue Stimmen zur Verfügung hat, die er Figuren verleihen kann.
Der Schreibstil
Obwohl ich nach wie vor beeindruckt von George R. R. Martins Weltenbau bin, ertappte ich mich dabei, wie mich sein Schreibstil in diesem Band etwas nervte. Das lag vor allem an zwei Aspekten:
Zum einen der vielen Gewalt, die in der Handlung präsentiert wird. Ich kann es nachvollziehen, dass er Möglichkeiten sucht, Krieg darzustellen. Dennoch ist es für mich stimmiger, wenn er mit Andeutungen arbeiten würde. Die Personen, die dann ihr Kopfkino anwerfen wollen, können das tun, die anderen haben die Möglichkeit sich entspannt zurückzulehnen und keine Bilder von abgeschlagenen Gliedmaßen im Kopf zu haben.
Zum anderen nervte mich der hohe Anteil an Erotik. Ich kann nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die das gerne lesen oder hören. Ich hatte hingegen den Eindruck, dass es sich George R. R. Martin etwas einfach macht, gerade, wenn es um die Darstellung von Männern geht: Wenn Tyrion beispielsweise Entspannung sucht, trifft er sich mit seiner Prostituierten, wenn Catelyn Stark Informationen von Jamie Lannister sucht, schlägt er ihr vor mit ihr zu schlafen. Wenn Theon Unterstützung von einer Nebenfigur möchte, fordert diese eine Frau zur Belohnung.
Zwar sorgt George R. R. Martin durch viele Frauenfiguren dafür, dass es kein stereotypisches Frauenbild in dieser Reihe gibt, dennoch wird die Frau dank vielen männlichen Figuren auf ein Objekt reduziert. Für George R. R. Martin hat es den Vorteil, dass er sich nämlich nicht mit den Fragen beschäftigen muss, was außerdem zu Tyrions Entspannung beitragen könnte oder welche interessanten Belohnungen es außer einer Nacht mit einer Frau noch geben könnte.
Gesamteindruck
Obwohl ich meine Mühe mit der Handlung habe, ist meine Neugier auf die Folgebände von der Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Reihe nach wie vor geweckt. Ich will wissen, wie es mit meinen Lieblingsfiguren weitergeht und wie sich Stefan Kaminskis Interpretation im Laufe der Reihe verändert.
Dennoch habe ich das Gefühl langsam eine Art Strickmuster hinsichtlich bestimmter Stilmittel in der Handlung erkannt zu haben, auch, wenn ich sie nicht immer im Einzelnen benennen kann.
Infos zum Hörbuch
Das Lied von Eis und Feuer – Die Saat des goldenen Löwen (Band 4)
Geschrieben von: George R. R. Martin
Gelesen von: Stefan Kaminski
Bewertung: 3 von 5 Herzen
Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.
Hier findet ihr mehr Infos über George R. R. Martin.
Hier findet ihr mehr Infos über Stefan Kaminski.
Weitere Bände
Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell* (Band 1)
Das Lied von Eis und Feuer – Das Erbe von Winterfell* (Band 2)
Das Lied von Eis und Feuer – Der Thron der Sieben Königreiche* (Band 3)
Das Lied von Eis und Feuer – Sturm der Schwerter* (Band 5)
Weitere Links
Hier findet ihr eine inhaltliche Zusammenfassung des vierten Bandes. Ich weise hiermit darauf hin, dass es sich um die alte Übersetzung handelt. Eigennamen wurden ins Deutsche übersetzt und ich habe auch den Eindruck, dass kleine inhaltliche Teile geändert wurden.
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Dieses Hörbuch, sowie die mit * markierten Titel, wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar von RandomHouse Audio zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

