
Der Inhalt
Bei dieser Rezension handelt es sich um die Besprechung einer Reihenfortsetzung. Ich werde nicht inhaltlich zu diesem Band spoilern, setze das Wissen aus den vorherigen Bänden für meine Rezension aber voraus.
Langsam aber sicher lebt sich der Erdmännchen-Clan in ihrem neuen Zuhause ein: Während Rufus weiterhin versucht den Waldbewohnenden Demokratie beizubringen, entdeckt Ray seinen neuen Job als Clubbesitzer.
Eines Tages tauchen neue Gäste im Wald auf. Während sie mit offenen Armen empfangen werden, steht Ray ihnen misstrauisch gegenüber.
Bei Da ist was im Busch hat es für mich etwas gedauert, bis die Handlung in Gang kam. Während Moritz Matthies im vorherigen Band Der Wald ruft schon ungewohnt ernste Themen anschlugen, wurde das Thema Gesellschaftskritik für mich hier fortgesetzt. Rufus möchte nämlich Ordnung in das Waldleben bekommen. Aus seiner Sicht gelingt das nur mit einer echten Demokratie. Schnell merken die Waldbewohnenden aber, dass die Demokratie nicht nur Vorteile hat.
Einerseits fand ich es spannend, dass Moritz Matthies die Handlung mit der Gesellschaftskritik auf eine andere Ebene heben und es eben nicht nur um humorvolle Kriminalfälle geht, die mit viel Situationskomik und Glück gelöst werden. Andererseits fand ich es schwierig die Grenze zwischen Belehren und Diskussion anregen zu ziehen.
In Romanen finde ich es wichtig auf Themen aufmerksam zu machen. Die Hörenden sollten aber selbst zu einer Erkenntnis gelangen und nicht durch die Erzählenden belehrt werden. Die Belehrung kann ich zwar inhaltlich nachvollziehen, jedoch habe ich den Eindruck, dass den Hörenden dadurch der Denkprozess der zur Erkenntnis führt abgenommen wird.
Kommen wir aber zurück zur Handlung: Als es dann eine kleine Revolution im Wald gab und sich die Frage stellte, wie das Ganze friedlich gelöst werden kann, war ich wieder voll dabei, weil die Kreativität der Waldbewohnenden gefragt war und auch wieder ein bisschen Krimi-Stimmung in die Handlung zurückkehrte, obwohl es keinen klassischen Kriminalfall gab.
Die Figuren
Was mir sehr gut gefallen hat war, dass Ray in diesem Band viel reflektiert und sich auf seine Art mit Themen auseinandersetzt. Damit hat er für mich an Tiefe gewonnen. Dadurch, dass er sich Fragen stellt, wirkten seine Gedanken auf mich nicht belehrend, weil er selbst auf der Suche nach einer Lösung ist.
Auch Rufus wird vor eine Herausforderung gestellt. Neben seinem Demokratie-Unterricht ist er auch ziemlich gefragt im Waldleben. Endlich gesehen zu werden, gefällt dem Erdmännchen ziemlich gut. Doch will er diese Rolle wirklich behalten?
Womit mich Moritz Matthies oft zum schmunzeln gebracht haben waren die vielen Nebenfiguren. Obwohl wir sie oft nur in kleinen Szenen erleben, wird deutlich, dass sie ihre eigene Geschichte haben, was sie nicht platt wirken lässt.
Die Hörbuchgestaltung
Das Hörbuch ist sowohl als gekürztes als auch als ungekürztes Hörbuch im Argon Verlag erschienen. Ich habe diesmal zur ungekürzten Version gegriffen und hätte nicht gewusst, wie man hier hätte Inhalt kürzen können. Auch wenn es gelegentlich Längen in der Handlung gab, waren sie wichtig um zu zeigen, was mit den Figuren passiert, wenn Routine im Wald einkehrt.
Christoph Maria Herbst ist als Sprecher wieder mit dabei. Mit ein Grund warum mir diese Reihe so viel Spaß macht ist seine Interpretation. Jede Figur klingt anders und gerade seine Interpretation der sächsisch grunzenden Wildschweine finde ich absolut komisch. (ich gehe stark davon aus, dass es Menschen, die in Sachsen leben, sicher ähnlich geht, wenn sie Dialekte wie Badisch oder Schwäbisch hören. Hoffe ich zumindest).
Bei diesem Band ertappte ich mich jedoch erstmals dabei, dass mir die Interpretation von drei Tieren etwas zu Denken gab. Christoph Maria Herbst verpasste ihnen einen osteuropäischen Akzent, der einerseits gut zu den Figuren passte, sie aber andererseits mit einem bestimmten Merkmal in Verbindung brachte. Hier war ich hin und hergerissen zwischen toller Interpretation und dem Arbeiten mit Klischees. Bei den Wildschweinen hingegen machte es mir nicht viel aus, obwohl es hier ja nicht anders ist.
Kurzum: Ich begann mich zu hinterfragen. Bin ich an dieser Stelle zu streng? Oder ist es wichtig auch in der Interpretation von Hörbüchern auf klischeehafte Darstellung zu achten und diese zu vermeiden? Ich habe bisher noch keine für mich stimmige Antwort gefunden.
Der Schreibstil
Moritz Matthies haben mit dem vorherigen und auch diesem Band aus meiner Sicht eine andere Seite von sich gezeigt. Während die ersten Bände der Erdmännchen-Reihe alle nach einem ähnlichen, guten, Muster erzählt wurden, standen in diesem und im vorherigen Band das Thema Gesellschaftskritik im Vordergrund.
Was mir sehr gut gefiel war, dass sie Themen wie Demokratie und das Zusammenleben im Allgemeinen detailliert dargestellt und auch gut abgerundet haben.
Nach wie vor bin ich ein großer Fan ihrer Dialoge und der Situationskomik, die mich immer wieder aufs Neue überrascht.
Gesamteindruck
Mit Da ist was im Busch erleben wir ein weiteres Abenteuer mit den Erdmännchen und den Waldbewohnenden das von Moritz Matthies spannend erzählt und gut abgerundet wird. Etwas schwierig ist das Thema Gesellschaftskritik, das ich einerseits gut umgesetzt, aber andererseits manchmal auch etwas an der Grenze dargestellt fand. Ich denke aber auch, dass das Geschmackssache ist. Mich hat es jedenfalls sehr gefreut, dass sich das Autorenduo damit aus seiner Komfortzone gewagt hat. Meine Neugier auf den nächsten Band war auf jeden Fall geweckt.
Infos zum Hörbuch
Da ist was im Busch (Band 7 der Ray-und-Rufus-Reihe)
Geschrieben von: Moritz Matthies
Gelesen von: Christoph Maria Herbst
Bewertung: 4 von 5 Herzen
Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.
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Weitere Rezensionen
Ausgefressen (Band 1)
Voll Speed (Band 2)
Dumm gelaufen (Band 3)
Dickes Fell (Band 4)
Letzte Runde (Band 5)
Der Wald ruft (Band 6)

