
Der Inhalt
Die bekannte Psychologin Olivia hat ein Problem: Ihre Adoptivtochter Alma schwebt in Lebensgefahr. Nur ihre leiblichen Eltern können sie retten. Doch Olivia bekommt keine Auskunft darüber, wer Almas leibliche Mutter ist. Es sei zu gefährlich.
Gemeinsam mit einem Studierenden macht sie sich auf die Suche nach Almas Herkunft und entdeckt dabei erstaunliche Dinge.
Sebastian Fitzek erzählt uns Das Kalendermädchen auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart begeben wir uns mit Olivia auf Spurensuche. in der Vergangenheit lernen wir Almas Mutter kennen und erfahren Stück für Stück, warum ihre Identität geheim bleiben muss.
Das Kalendermädchen hat eine sehr komplexe Handlung, die mich positiv überrascht hat. Die letzten Thriller von Sebastian Fitzek sind ebenfalls spannend, jedoch gab es meist hier und da ein Detail an der Auflösung der Handlung, das mich gestört hat. Entweder weil ich mir ein anderes Ende gewünscht habe, oder weil ich den Eindruck hatte, dass ein Teil der Auflösung schon mal in einem anderen Thriller zu finden war.
In Das Kalendermädchen hingegen erwartet uns eine gut durchdachte und ziemlich verstrickte Handlung, die einige überraschende Wendungen für mich bereit gehalten hat, mit denen ich nicht gerechnet habe. Gerade durch die beiden Zeitebenen laufen die beiden Handlungsstränge quasi aufeinander zu. Wir haben die Option durch die beiden Handlungsstränge Theorien aufstellen und auf die Lösung des Rätsels kommen zu können.
Das Ende war für mich in sich rund. Es gab für mich keine offenen Fragen mit denen ich zurückgelassen wurde.
Die Figuren
Olivia zeigt ihrem Gegenüber schnell und sehr deutlich, was sie von ihm hält. Das öffnet ihr nicht unbedingt viele Türen. So zieht sie nicht nur den Ärger der Jugendamt Mitarbeitenden auf sich, sondern hat auch ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Ex-Mann. Die Zahl der Personen, die ihr zur Seite stehen, ist also sehr gering. Selbst Elias, einer ihrer Doktoranten hat merkwürdige Recherche-Methoden, die nicht gerade ihr Vertrauen erwecken. Dennoch ist er der Einzige, der ihr uneingeschränkt bei der Suche nach der Wahrheit hilft.
Mit Elias hat Sebastian Fitzek eine Figur geschaffen, die auf mich den Eindruck machte, in ihrer eigenen Welt zu sein. Und ich glaube genau das, war auch die Absicht des Autors. So wusste ich nämlich nie, ob ich mich wirklich auf seine Aussagen verlassen kann, oder ob er nicht doch irgendwann die Seiten wechselt und sich als falscher Freund entpuppt. Olivia profitiert sehr von Elias Mut und seinem technischen Verständnis.
Auch Almas leibliche Mutter ist eine spannende Figur. Wir lernen sie in der Vorweihnachtszeit kennen. Sie hat einen festen Plan, den sie unbedingt in die Tat umsetzen möchte. Nichts soll sie davon abhalten. Allerdings hat sie nicht damit gerechnet, dass ihr bestimmte Leute immer einen Schritt voraus sind.
Die Figuren werden in jede Menge schwieriger Situationen geworfen, aus denen sie entkommen müssen. Das Schöne ist, dass sich jede von ihnen auf ihre Weise entwickelt. Auch wenn es nicht immer eine Entwicklung war, die ich mir für die Figur gewünscht hätte. Somit haben wir hier keinen klischeehaften Thriller mit eindimensionalen Figuren vor uns.
Die Hörbuchgestaltung
Das Hörbuch ist wieder in mehreren Ausgaben erschienen: Gekürzt gibt es das Hörbuch ausschließlich als CD-Ausgabe. Der Titel wurde im Argon Verlag veröffentlicht. Ich finde es wirklich schade, dass die Romane von Sebastian Fitzek lediglich als gekürztes Hörbuch als CD-Ausgabe erhältlich sind. Dennoch spricht das für die Konditionen, die er offenbar bei Audible hat.
Ungekürzt erscheinen seine Romane nämlich ausschließlich und somit exklusiv bei Audible. Jetzt kann man natürlich mit dem Argument kommen, dass heutzutage die meisten Hörbuchfans ein Audible Abo haben. Dennoch gibt es immer noch Leute ohne Audible-Konto, die somit nur Zugriff auf das gekürzte Hörbuch haben. Gerade bei diesem Thriller stelle ich mir eine gekürzte Ausgabe wirklich schwierig vor, weil ich nicht gewusst hätte, an welchen Stellen man Informationen hätte weglassen können.
Ich habe mich deswegen für die ungekürzte Ausgabe entschieden, die von Simon Jäger gelesen wird. Seine Interpretation hat mir wieder einmal die Thriller-Atmosphäre nach Hause gebracht. Er überzeugte mich mit der Mischung aus richtiger Lesegeschwindigkeit und guter Betonung. Wenn es gefährlich wird, liest er schnell und betont hart, sodass die Szenen an Spannung gewinnen. Wenn es ruhige Momente gibt, in denen den Figuren etwas Zeit zum nachdenken bleibt, wird er ruhiger und liest weicher.
In Das Kalendermädchen hatte ich den Eindruck, dass es gefühlt sehr viele Figuren gibt. Simon Jäger gibt jeder Figur eine eigene Stimme, was dafür sorgte, dass ich mir die Figuren nicht nur gut vorstellen konnte, sondern auch keine Mühe hatte, sie voneinander zu unterscheiden. Gerade die Interpretation der Dialoge hat mir sehr gut gefallen, weil Simon Jäger für eine tolle Dynamik sorgt.
Der Schreibstil
Was mir an Sebastian Fitzeks Schreibstil diesmal sehr gut gefallen hat war, dass er wieder mehr mit Andeutungen schreibt. Gerade bei den letzten Thrillern hatte ich den Eindruck, dass sein Schreibstil blutiger wird, was ich sehr schade fand. In Das Kalendermädchen hört er aber bei bedrohlichen Szenen genau an den richtigen Stellen auf, zu beschreiben. Alle, die Lust auf ein Kopfkino haben, haben genug Material um sich die Szenen bildhaft vorzustellen. Alle, die keine Albträume möchten, können sich an diesen Stellen erleichtert zurücklehnen.
Etwas unfreiwillig komisch fand ich auch, dass Sebastian Fitzek mit den Formulierungen des Thriller-Schreibstils spielt. So bricht öfter mal die Hölle über den Figuren herein. Dass sich das Hölle hereinbrechen aber auch immer danach richtet, was eine Figur selbst als Hölle definiert, zeigt uns Sebastian Fitzek hier das ein oder andere Mal.
Außerdem gibt es immer wieder Situationen, in die wir mit den Figuren geraten, in der wir glauben zu wissen, wohin die Handlung läuft. Etwas später stellt sich aber heraus, dass es völlig anders ist, als gedacht. Von diesen Momenten gibt es einige in dem Hörbuch. Das Tolle ist, dass sie alle für mich nachvollziehbar aufgelöst wurden.
Gesamteindruck
Mit Das Kalendermädchen hat mich Sebastian Fitzek positiv überrascht. Ich hatte nicht mit einer so gut durchdachten und verstrickten Handlung gerechnet. Ich hatte spannende Hörstunden und kann diesen Thriller allen empfehlen, die einen spannenden, aber nicht allzu blutigen Thriller suchen, der hier und da auch mit den gängigen Thriller-Klischees spielt.
Infos zum Hörbuch
Das Kalendermädchen
Geschrieben von: Sebastian Fitzek
Gelesen von: Simon Jäger
Bewertung: 5 von 5 Herzen
Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.
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