
Der Inhalt
Charlie fühlt sich einsam und allein. Sie macht sich viele Gedanken, aber schafft es nicht die richtigen Worte zu finden, um ihre Gefühle auszudrücken, schließlich muss man Dinge ja erst benennen können und selbst dann, könnten es die falschen Worte sein.
Als eines Tages ein neuer Schüler in die Klasse kommt, sich nach wenigen Minuten den Spitznamen Pommes einfängt, sich neben sie setzt und mit ihr spricht, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, beginnt sich etwas in ihr zu verändern.
Und wisst ihr was das Tolle an der Handlung ist? Das hier ist nicht der Auftakt einer Liebesgeschichte.
Mit Himmel ohne Ende hat Julia Engelmann ihr Jugendbuch-Debüt im Diogenes Verlag veröffentlicht und ich kann euch eins sagen: Ich will mehr Romane von ihr hören! Wir begleiten Charlie etwas über ein Jahr, finden heraus, wie sie langsam lernt, zu sprechen und das Leben nicht nur an sich vorbeiziehen zu lassen, sondern auch wieder zu spüren.
Die Handlung wird leise erzählt. Charlie macht zwar eine Heldinnenreise, jedoch spielt sie sich mehr im Alltäglichen ab, was ihre Reise aber keinesfalls langweiliger oder unwichtiger wirken lässt. Es waren vor allem die kleinen Dinge, die mir an der Handlung Freude bereitet haben, weil sie zeigen, was passiert, wenn man in einer schwierigen Situation steckt und es schafft trotzdem weiterzugehen. Vorsichtig einen Schritt vor den anderen setzt, kleine Dinge verändert und dadurch irgendwie vorankommt.
Das Problem an der Handlung ist, dass es so viel zu entdecken gibt und ich mir wünsche, dass ihr euch gemeinsam mit Charlie und Pommes auf eine spannende Reise begebt.
Die Figuren
Die Handlung wird aus der Perspektive der Hauptfigur Charlie erzählt, was bedeutet, dass wir eben nicht nur erfahren, wie sie die Welt und die Menschen in ihrer Umgebung wahrnimmt, sondern auch was ihr entgeht, weil sie sich eben nur für bestimmte Themen interessiert.
Obwohl Charlie vieles mit sich ausmacht, fand ich es sehr spannend an ihren Gedanken teilzuhaben. So wird deutlich, dass Charlie nicht nur vor sich hinlebt, sondern viele Ängste und Träume mit sich herumträgt. Julia Engelmann arbeitet Charlies Entwicklung gekonnt heraus. Es geht nicht darum von einer introvertierten Hauptfigur, eine laute, offene, extrovertierte Person zu macen, sondern dafür zu sorgen, dass Charlie Dinge bewusst werden und sie sich eben für oder gegen eine Veränderung entscheiden kann.
Pommes ist, wie so oft in solchen Jugendhörbüchern, das genaue Gegenteil von Charlie: Er ist offen, knüpft schnell neue Kontakte und hat auch einen großen Freundeskreis. Charlie ist eine der wenigen, die auch den anderen Pommes kennt. Der Junge, der einen Neustart wollte und Abstand von zu Hause sucht.
Das Schöne ist, dass die Freundschaft zwischen Charlie und Pommes trotzdem funktioniert, obwohl sie auch in unterschiedlichen Welten unterwegs sind. Sie kommen immer wieder zusammen, sehen die Stärken und Schwächen des anderen und wünschen sich ab und an auch die Rollen tauschen zu können.
Die Hörbuchgestaltung
Das Hörbuch ist ausschließlich als Hörbuch-Download im Diogenes Verlag erschienen. Manchmal fehlt mir die CD-Box im Hörbuchregal, die für die Diogenes Hörbücher typisch sind. Bei mir ist deswegen das Printbuch eingezogen, damit ich anderen Menschen diese schöne Geschichte unter die Nase halten kann.
Wie ihr vielleicht bemerkt habt, gab es bei der Hörbuchgestaltung ein kleines Chaos, das zwischenzeitlich behoben wurde. Zu Beginn der Handlung war ich etwas irritiert, weil einige Szenen für mich etwas abrupt endeten. Dann dachte ich lange, dass es einfach Julia Engelmanns Stil ist, vieles nicht zu erzählen, damit wir uns die Szenen selbst ausmalen können. Dann gab es aber einzelne Tracks, die mitten im Satz abgebrochen wurden, was bestimmt kein Stilmittel ist. Umso erleichterter bin ich, dass der Verlag das Problem beheben konnte.
Gelesen wird das Hörbuch von Julia Engelmann. Ich war sehr gespannt, wie sie das Jugendhörbuch interpretiert. Schließlich kannte ich sie bisher vor allem als Interpretin ihrer Poetry Slam Texte. Ich bin wirklich beeindruckt, wie gut sie die Atmosphäre, insbesondere Charlies Traurigkeit und Sprachlosigkeit in Worte fassen konnte. Ich habe das Hörbuch mit guter Laune begonnen und merkte, dass mich Charlies dunkle Wolke einzuhüllen drohte und ich kann euch noch nicht mal sagen, was Julia Engelmann gemacht hat, damit die Wolke direkt bei mir ankam.
Hin und wieder musste ich schmunzeln, weil Engelmann bei ihrer Interpretation manchmal in den Poetry Slam Rhythmus gewechselt ist, was von der Dynamik sehr gut zur Handlung gepasst hat und mich nicht gestört hat.
Der Schreibstil
Julia Engelmann hat einen sehr feinen Schreibstil. Sie erzählt die Handlung leise, dennoch sind die Entwicklungen in der Handlung für mich deutlich erkennbar. Zu Beginn der Handlung finden sich viele kurze Sätze wieder, weil Charlie keine Worte für ihre Gefühle hat. Der Aufbau ist dann in etwa so: 1-2 kurze Sätze, einige lange, die mir gezeigt haben, dass Charlies inneres Fass sich gerade entlädt und zum Schluss wieder kürzere Sätze.
Wie oben schon beschrieben war ich beeindruckt von der Atmosphäre, die Julia Engelmann erschafft. Sie hat diese dunkle Wolke, die mich zu Beginn der Handlung einzuhüllen drohte, Stück für Stück kleiner werden lassen, was für mich verdeutlichte, dass Charlie einen Weg gegangen und gestärkt daraus hervorgegangen ist. Die Tiefe, die ich sonst aus ihren Poetry Slam Texten kenne, habe ich im Roman wiedergefunden.
Gesamteindruck
Himmel ohne Ende ist das Jugendhörbuch-Debüt von Julia Engelmann und ich hoffe sehr, dass es nicht nur ein Ausflug in die Welt der Romane war, sondern wir noch viele Geschichten von ihr lesen und auch hören werden.
Wir lernen zwei Jugendliche kennen, die auf der Suche nach sich und ihrem Platz im Leben sind. Ob sie ihn finden werden? Das findet ihr hoffentlich selbst heraus.
Infos zum Hörbuch
Himmel ohne Ende
Geschrieben von: Julia Engelmann
Gelesen von: Julia Engelmann
Hier findet ihr mehr Infos über Julia Engelmann.
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Dieses Hörbuch wurde mir kostenlos als Rezensionsexemplar durch den Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

