
Der Inhalt
Bei dieser Rezension handelt es sich um die Besprechung eines Reihenabschlusses. Ich werde nicht inhaltlich zu diesem Band spoilern, setze das Wissen aus den vorherigen Bänden aber für meine Rezension voraus.
Die verschwundene Schwester, der siebte Band der Sieben-Schwestern-Reihe endete gefühlt mit einem lauten Knall: Merry, Pa Salts einzige leibliche Tochter, hält sein Tagebuch in den Händen. Wie der Name des letzten Bandes verrät, wird es nun Zeit Pa Salt, den geheimnisvollen Adoptivvater der Schwestern besser kennenzulernen und dafür reisen wir ziemlich weit in der Zeit zurück.
Wir begegnen Pa Salt das erste Mal in seiner Kindheit. Schnell wird klar, dass er kein sorgloses Leben führte, sondern schon in frühen Jahren ein Geheimnis mit sich herumträgt. Ein Geheimnis, dessen Offenbarung seinen Tod bedeuten kann. Natürlich interessierte mich sehr, um welches Geheimnis es sich handelte. Je mehr Andeutungen es gab, desto höher wurden auch meine Erwartungen.
Womit ich absolut nicht gerechnet hätte ist, dass diese Reihe sich im letzten Band zu einem Spannungsroman entwickelt. Wir begleiten Pa Salt in verschiedenen Stationen seines Lebens, bereisen mit ihm unterschiedliche Länder, finden Menschen, die es gut mit ihm meinen, schweben immer wieder in Gefahr und hoffen, das alles gut enden wird.
Im zweiten Handlungsstrang erleben wir die Schwestern, allen voran Maya, Ally und ab und an auch Merry, die vor Herausforderungen stehen und Mühe haben die Geschichte ihres Vaters zu verarbeiten. Gerade Ally merkt, dass Pa Salt bis über den Tod hinaus einen Plan verfolgt und seinen Anwalt und Freund Georg Hoffmann mit der Durchsetzung dieses Plans beauftragt hat. Genau das lässt die Schwestern misstrauisch werden: Warum macht Pa Salt so ein Geheimnis um seine Geschichte? Wieso spielt er nicht mit offenen Karten?
Was den Inhalt für mich so spannend macht? Wir gehen gemeinsam auf Spurensuche und finden Hinweise, die sich in den vergangenen sieben Bänden versteckt haben und die nun nach und nach aufgelöst werden. Kritische Hörende werden nun mit den Augen rollen und wahrscheinlich behaupten, dass vieles konstruiert wirkt. Ich fand diese ganzen Verbindungen absolut genial.
Wir versuchen natürlich unser Leben zu planen und möglichst wenig Risiken einzugehen. Dennoch gibt es etwas, das uns immer wieder begegnet: der Zufall. Genauso war es auch bei Pa Salt und dieser Zufall brachte ihn zu seinen Töchtern.
Um aber alle Andeutungen und Auflösungen verstehen zu können, finde ich es wichtig die Reihe möglichst zeitnah zu hören und keine große Pause zwischen den bänden zu lassen. Mir sind nämlich durch die langen Pausen einige Auflösungen verborgen geblieben.
Alles in allem: Ein für mich runder Reihenabschluss, der kaum offene Fragen zurücklässt.
Die Figuren
Interessant finde ich, dass die Schwestern in diesem Band zu Nebenfiguren werden. Wir erleben einen Großteil der Handlung zwar aus den Perspektiven von Maya und Ally, aber vor allem deswegen, weil die beiden vor Herausforderungen stehen. Toll fand ich aber, dass alle Schwestern zumindest in Nebensätzen aufgetaucht sind und wir dadurch herausfinden, wie es ihnen inzwischen geht.
Die Hauptfigur dieses Hörbuches ist für mich eindeutig Pa Salt. Wir finden heraus, welche Ängste, Wünsche und Hoffnungen er mit sich herumträgt und müssen erkennen, dass er lange gebraucht hat, seinen Platz im Leben zu finden. Mit Pa Salt haben Lucinda Riley und Harry Whittaker eine spannende und vielschichtige Hauptfigur geschaffen, die eine tolle Entwicklung durchmacht.
Immer wieder trifft Pa Salt auf Menschen, die ihn ein Stück des Weges begleiten. Toll fand ich, dass wir auf einige bekannte Gesichter treffen und die Figuren nun aus der Perspektive von Pa Salt erleben. Obwohl wir nur kurz Zeit mit ihnen verbringen, wurde für mich trotzdem deutlich, dass jede Nebenfigur eine eigene Geschichte mit sich bringt und nicht nur dazu da ist, Pa Salt zu unterstützen.
Die Hörbuchgestaltung
Das Hörbuch wurde sowohl als gekürzte als auch als ungekürzte Ausgabe im Hörverlag produziert. Gekürzt gibt es das Hörbuch sowohl als CD-Ausgabe als auch als Hörbuch-Download. Die ungekürzte Ausgabe ist ausschließlich als Hörbuch-Download erschienen.
Nachdem alle Bände veröffentlicht waren hat der Hörverlag einen tollen Schuber mit allen acht Bänden herausgebracht. Der Schuber hat genau die richtige Höhe für mein CD-Regal und passt mit den unterschiedlich aussehenden Covern auch sehr gut zu den anderen Hörbuchreihen.
Der einzige Nachteil an diesem Schuber: Die Maße für die CD-Ausgaben sind etwas knapp bemessen und ich habe den Eindruck, die CDs etwas hineinpressen zu müssen.
Worüber ich sehr froh war: Der Hörverlag hat diesmal auch die Danksagung mit produziert, etwas, das bei Büchern nie fehlen darf und bei Hörbüchern leider nur selten umgesetzt wird. Hier erzählt Harry Whittaker ein bisschen von dem Entstehungsprozess und seiner Motivation diese Reihe zu beenden.
Gelesen wird Atlas – Die Geschichte von Pa Salt von Thomas Holländer, in der Rolle des Pa Salt, Oliver Siebeck, ausnahmsweise als Sprecher in der Gegenwart und in den Rollen der verschiedenen Figuren, die uns in der Gegenwart begegnen und Sabine Arnhold, die wieder in ihre Rolle als Merry schlüpft.
Während mir Thomas Holländer im vorherigen Band noch etwas schlicht gelesen hat, war ich in diesem Band irgendwann in der Handlung angekommen und fand, dass seine schlichte Betonung dafür gesorgt hat, dass die Zwischentöne der Handlung deutlicher zur Geltung kamen. Ich hatte den Eindruck dadurch mehr von Pa Salts Emotionen mitzubekommen und nicht durch die Handlung zu rasen.
Etwas ungewohnt war für mich, dass wir mit Oliver Siebeck diesmal nicht in die Vergangenheit reisten. Er schlüpfte in die Rollen der verschiedenen Schwestern, was manchmal ganz gut passte, was mir aber auch ungewohnt vorkam. Er hat eine helle Stimmfarbe und passt daher auch gut zu Frauenstimmen, ohne, dass es allzu merkwürdig klingt. Dank seinem Lesetempo verleiht er hitzigen Diskussionen Dynamik und hebt nachdenkliche Momente durch eine etwas langsame, aber bestimmte Lesung hervor.
Ich finde also nicht, dass er schlecht liest oder interpretiert, ich glaube es hing für mich vor allem damit zusammen, dass ich andere Stimmen für die Schwestern im Ohr hatte. Daher hätte ich mir gewünscht, dass die einzelnen Perspektiven wieder von den Stimmen gelesen werden, die uns auch in den dazugehörigen Bänden begleitet haben. Allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau. Hätte der Verlag es wahrscheinlich genauso gelöst, hätte es gut sein können, dass ich in der Rezension schreibe, dass ich es schade finde, dass es kein Wiederhören mit Oliver Siebeck gegeben hätte.
Der Schreibstil
Es ist unklar, welche Textstellen in Atlas – Die Geschichte von Pa Salt von Lucinda Riley und welche von Harry Whittaker geschrieben wurden. Was mir am Schreibstil aufgefallen ist: ich hatte den Eindruck es gibt mehr Spannung und weniger Beschreibung. Die Figuren wurden mir nicht erklärt, sondern ich konnte erleben, warum sie so reagieren, wie sie reagieren. Da das Beschreibende ein Stilmittel war, das ich vor allem Lucinda Riley zuordne, gehe ich davon aus, dass einiges von Harry Whittaker geschrieben wurde. Schön finde ich, dass die unterschiedlichen Stile fließend ineinander übergegangen sind und es für mich an keiner Stelle für einen Bruch im Stil gesorgt hat.
Was mich sehr beeindruckt hat war die Atmosphäre, die für mich mit dem Schreibstil zusammenhängt. Es fällt mir leider immer noch schwer sie in Worte zu fassen. Zum einen gab es natürlich die rasanten Momente, in denen vieles passiert. Zum anderen gab es auch die Szenen, die voller Liebe und Wärme stecken. Damit meine ich nicht diese kitschige Liebesroman-Liebe, in der wir einer Schleimspur ausweichen müssen. Es war mehr das Gefühl von Geborgenheit und Zusammenhalt. Diese Mischung passte für mich wunderbar zusammen.
Gesamteindruck
Lucinda Riley hat mich mit dieser Reihe absolut überrascht. Während ich zu Beginn der Reihe dachte, dass wir mit jedem Band einen typischen Riley haben werden, der nach einem bestimmten Muster geschrieben ist, wurde mir von Band zu Band bewusst, dass Lucinda Riley mehr aus dieser Handlung herausholen will. Mehr als Frau hat Schwierigkeiten im Leben, findet ihre Wurzeln und verliebt sich. Genau das hat mir hier gefallen.
Es macht mich immer noch traurig, dass wir nicht mehr Bücher in diesem Stil von ihr lesen werden. Spannung steht Lucinda Riley nämlich ziemlich gut.
Lieblingszitate:
»Eine Last ist nur jemand, der keine Hilfe braucht, aber trotzdem welche verlangt.«
(aus: »Atlas – Die Geschichte von Pa Salt« von Lucinda Riley, Track 182).
Infos zum Hörbuch
Atlas – Die Geschichte von Pa Salt
Geschrieben von: Lucinda Riley und Harry Whittaker
Gelesen von: Sabine Arnhold, Thomas Holländer, Oliver Siebeck,
Bewertung: 5 von 5 Herzen
Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.
Hier findet ihr mehr Infos über Lucinda Riley und Harry Whittaker.
Hier findet ihr mehr Infos über:
Sabine Arnhold
Thomas Holländer
Oliver Siebeck
Weitere Bände:
Die sieben Schwestern (Band 1)
Die Sturmschwester* (Band 2)
Die Schattenschwester* (Band 3)
Die Perlenschwester* (Band 4)
Die Mondschwester* (Band 5)
Die Sonnenschwester* (Band 6)
Die verschwundene Schwester* (Band 7)
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Dieses Hörbuch sowie die mit * markierten Hörbücher wurden mir kostenlos als Rezensionsexemplar vom Hörverlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

