
Der Inhalt
Noah verbringt die Sommerferien mit ihrer Mutter und einem Freund der Familie in einem Ferienhaus in einem abgelegenen Dorf. Sie stellen fest, dass das Haus erst einmal auf Vordermann gebracht werden muss. David, ein Junge in Noahs Alter, hilft ihnen dabei. Eines Abends lassen sich beide auf ein gruseliges Spiel ein. Sie wollen Kontakt zu einem Geist aufnehmen.
Was den Inhalt betrifft, bin ich hin- und her gerissen. Vor einigen Jahren habe ich Whisper zum ersten Mal gelesen und war ziemlich begeistert von der Handlung, weil der Roman damals eines der ersten Thriller war, die ich gelesen habe. Jetzt als Erwachsene und viele Thriller bzw. Jugendbücher später, fallen mir Schwächen im Roman auf.
Der Inhalt an sich ist spannend. Durch die Geisterbeschwörung werden David und Noah auf eine Geschichte aufmerksam. Im Ferienhaus der Familie wurde Elisa ermordet. Beide fragen sich natürlich, wer hinter dem Mord steckt. Sie ahnen, dass die Antwort im Dorf zu finden ist. Wir erleben also, wie beide auf Spurensuche gehen, Theorien aufstellen, Verdächtige zur Rede stellen und der Lösung des Rätsels gefährlich nahe kommen.
Was mir gut gefallen hat war, dass mich der Plottwist wieder überrascht hat. Mit dieser Wendung hätte ich nicht gerechnet und bin froh, dass ich die Fährten als Erwachsene trotzdem nicht lesen konnte. Was den Thrilleranteil der Handlung betrifft, bin ich mit dem Hörbuch also mehr als zufrieden.
Die Figuren
Etwas enttäuscht war ich von dem Jugendbuchanteil der Handlung, was vielleicht auch mit Noahs Figurenentwicklung zusammenhängt. Wir lernen Noah als zurückgezogene junge Frau kennen. Sie fühlt sich unverstanden und will sich im Dorf nicht wirklich einleben. Außerdem gibt es ein Ereignis aus ihrer Vergangenheit, das sie noch nicht verarbeitet hat und das sich auf keinen Fall wiederholen soll. Schwierig wird es, als sie Gefühle für David entwickelt.
Um meine Kritik zu begründen müsste ich euch jetzt sowohl das Geheimnis als auch die letzte Szene im Hörbuch spoilern. An dieser Stelle nur so viel: Es geht um die Frage wo Noah ihre Grenzen setzt und ob sie es schafft, diese Grenzen auch nach außen hin zu vertreten. Zum Schluss gibt es eine Szene, die einerseits ins Jugendbuch passt, aber andererseits viele Fragen bei mir aufgeworfen hat. Ich hätte mir gewünscht, dass es eine andere Möglichkeit gibt, Noahs Entwicklung herauszuarbeiten, als mit dieser Schlussszene.
Die Hörbuchgestaltung
An der Hörbuchgestaltung merkt man schnell, dass der Titel schon etwas älter ist. Das Hörbuch ist gekürzt im HörbuchHamburg Verlag erschienen und zwar sowohl als Digifile Ausgabe auf CD als auch als Hörbuch-Download. Leider ist inzwischen nur noch der Download erhältlich. Ich hatte hingegen das Glück gebraucht an eine Digifile Ausgabe zu kommen.
Da die Printausgabe nicht viele Seiten umfasst, weiß ich nicht, wie viel beim Hörbuch tatsächlich gekürzt wurde. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es zu merkwürdigen Brüchen in der Handlung kam.
Was aus meiner Sicht ein weiteres Merkmal dafür ist, dass man Anfang der 2000er Jahre noch nicht viel Erfahrung in der Produktion von Hörbüchern hatte, ist die Wahl der Sprecherin: Das Hörbuch wird von Nina Petri gelesen, die ich zwar sehr gerne höre, die für ein Jugendhörbuch jedoch etwas älter klingt. Inzwischen ist es so, dass für Jugendhörbücher vor allem Sprecher*innen gesucht werden, die entweder jünger klingen, oder sehr gut betonen können.
Leider hat mir bei Nina Petris Interpretation die Betonung gefehlt. Vieles klang für mich monoton, sodass ich immer wieder abgeschweift bin. Die Thriller Atmosphäre erreichte mich ebenfalls nicht. Vielleicht ist es auch einfach Geschmackssache. Ich muss aber gestehen dass ich, was die Hörbuchgestaltung betrifft, trotzdem etwas enttäuscht zurückbleibe.
Der Schreibstil
Was ich bei Isabel Abedis Schreibstil faszinierend fand war, dass sich beobachten lässt, wie sich die Dynamik in Jugendbüchern über die Zeit verändert hat. Isabel Abedi baut die Handlung zwar spannend auf, sorgt immer wieder für gefährliche Szenen, allerdings habe ich den Eindruck, dass sie Whisper ein bisschen langsamer erzählt, als es bei den jetzigen Jugendhörbüchern der Fall ist.
Was mir sehr gut gefallen hat war, wie Isabel Abedi die düstere Atmosphäre aufbaut. Ich konnte mir die Schauplätze gut vorstellen und habe mit den Figuren mitgefiebert. Zudem hat sie bestimmte Fährten sehr gut und vor allem unauffällig platziert.
Allerdings gab es auch eine Sache, die mich etwas negativ überrascht hat. Wir lernen im Hörbuch Davids Bruder kennen, den alle nur Krümel nennen. Er hat eine Lernbehinderung, was dafür sorgt, dass er nicht von allen Menschen im Dorf mit offenen Armen empfangen wird. Noah, aus deren Perspektive die Handlung erzählt wird, hat kein Problem mit Davids Bruder und bewundert die Beziehung welche die beiden zueinander haben.
Dennoch wählt Isabel Abedi Beschreibungen, die nicht zeitgemäß sind. Noah beobachtet beispielsweise wie Krümel von seiner Mutter Essen angereicht bekommt. Hier wird u.a. die Formulierung verwendet, dass er wie ein Riesen-Baby aussehe. Natürlich kann man damit argumentieren, dass Noah diese Szene so wahrnimmt und wir eben die Gedanken einer 17-jährigen erleben, die in diesem Fall zeigt, dass Reflexion noch nicht zu ihren Stärken gehört. Dennoch handelt es sich auch um eine negative Darstellung eines Menschen mit Behinderung.
Gesamteindruck
Es war spannend für mich das Hörbuch nach so einer langen Zeit nochmal zu hören. Für alle, die noch nicht viel Erfahrung mit Thrillern haben, ist Whisper ein perfekter Einstieg in das Genre. Wir haben etwas Grusel, aber in einer Dosis, die uns keine schlaflosen Nächte beschert.
Infos zum Hörbuch
Whisper
Geschrieben von: Isabel Abedi
Es liest: Nina Petri.
Bewertung: 3 von 5 Herzen
Bei meiner Lieblingsbuchhandlung bestellen.
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